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Pathophysiologie der Stress-/Harninkontinenz

Die Stress- oder Belastungsinkontinenz, auch passive Inkontinenz genannt, ist eine der 5 Formen der Harninkontinenz, die nach der International Continence Society (ICS) nach der Art der Störung unterscheidet werden können:

  • Stress- oder Belastungs-Inkontinenz
  • Drang- oder Urge-Inkontinenz
  • Reflex-Inkontinenz
  • Überlauf-Inkontinenz
  • Extraurethrale Inkontinenz

Dabei leiden 80 % der Betroffenen an Stressinkontinenz, Dranginkontinenz oder an einer Kombination beider Formen.

Gerade bei Sportlern/innen stellt die Stressinkontinenz das Hauptvorkommen dar. So berichtet jede dritte sporttreibende Frau unabhängig von vorausgegangenen Schwangerschaften über klassische Symptome der Harninkontinenz, d.h. vom Abgang geringer bis größerer Mengen Urin.

Definition der Stressinkontinenz

Stress- oder Belastungsinkontinenz: Unfreiwilligen Harnverlust kleinerer bis größerer Mengen Urin bei intraabdomineller Druckerhöhung und gleichzeitig ungenügendem Harnröhrenverschluss (Sphinkter-Insuffizienz) während körperlicher Belastung.

Es handelt sich dabei um einen physischen Stress, der durch eine abrupte aktive oder passive Erhöhung des Druckes im Bauchraum bei insuffizientem Schließmuskel charakterisiert ist.

Klinische Einteilung

Schweregrade

Grad I

geringer Urinverlust beim Niesen, Husten, Lachen und Sport

Grad II

deutlicher Urinverlust z.B.beim Aufstehen, Heben und Treppensteigen, aber auch bei sportlicher Belastung

Grad III

Urinverlust bereits im Stehen und Liegen

Ursachen

Die häufigsten Ursachen der Stressinkontinenz bei Frauen sind:

  • Tiefertreten der Beckeneingeweide und Verkürzung der funktionalen Urethra bei insuffizienter Beckenbodenmuskulatur z.B. nach Geburten oder Operationen.
  • Lageveränderung der Blase und Unterleibsorgane durch Übergewicht, chronischer Husten oder Verstopfung, falsches Bauchmuskeltraining oder Körperbelastung im Alltag.
  • Degenerative Veränderungen der quergestreiften und glatten Schließ- und Blasenmuskulatur, z.B. in Folge von Bindegewebsschwäche im Alter.
  • Verlust der Elastizität der Harnröhre bei Sexualhormonmangel, überwiegend postmenopausal.

Bei Männern kann es im Rahmen eines operativen Eingriffs (z.T. vorübergehend) zu einer Stressinkontinenz kommen. Physiologischerweise unterstützt die Prostata den Verschluss der Harnblase, so dass eine Harninkontinenz bei Männern seltener auftritt als bei Frauen.

Darstellung der physiologischen und pathologischen, d.h. stressinkontinenten Gegebenheiten bei der Frau