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Prävention und Hinweise für Trainer/innen und Betreuer/innen

Präventive Maßnahmen wie Aufklärung und Information über Ursachen und Symptome von Essstörungen sollten frühzeitig bei Jugendlichen in gefährdeten Altersgruppen (am besten im Rahmen des Schulunterrichts), bei Risikogruppen (Leistungssportler/innen) und auch bei Eltern, Trainer/innen und Betreuer/innen erfolgen.

Die optimale Vorbeugung zur Vermeidung von Essstörungen ist eine umfassende medizinische, ernährungswissenschaftliche und psychologische Information und Betreuung.

Hauptziele der Präventionsarbeit sollten dabei folgende Punkte sein:

  • Vermeidung rigider Diäten,
  • Hinterfragen des gängigen Schönheitsideals und
  • Aufbau von Grundwissen über gesunde Ernährung, normales Essverhalten, Energieverbrauch und Körpergewicht

Folgende Hinweise sollten an Personen aus dem Umfeld von Sportler/innen gegeben werden: Was sollten Sie beachten?

  • Seien Sie sensibel für Äußerungen und Verhaltensweisen, die auf eine Körperschemastörung und/oder Angst vor einer Gewichtszunahme hinweisen.
  • Erkennen sie zwanghaftes Trainieren und ungewohnte Hyperaktivität.
  • Erwerben Sie sich Kenntnisse über optimale Ernährung, lassen Sie sich diesbezüglich beraten.
  • Denken Sie an Ihre Vorbildfunktion.
  • Hinterfragen Sie auch Ihr eigenes Frauenbild.
  • Ermutigen Sie betroffene Athleten/innen, Hilfe anzunehmen.
  • Hören Sie einem betroffenen Menschen zu und versichern Sie ihm, dass er nicht alleine ist.

Was sollten sie vermeiden?

  • Machen Sie keine unbedachten Äußerungen und Vorwürfe zum Körpergewicht.
  • Werten Sie Versagen und Erfolg in Zusammenhang mit dem Gewicht differenziert.
  • Sprechen Sie keine rigiden Verbote aus, geben sie stattdessen gezielte Tipps zum Essen.
  • Vermeiden Sie Monotonie des Trainings (soweit dies realisierbar ist).
  • Zwingen Sie die Betroffenen nicht zum Essen.
  • Machen Sie betroffenen Personen keine Vorwürfe, kritisieren Sie sie nicht und werden Sie ihnen gegenüber nicht zornig.
  • Versuchen Sie nicht, die Rolle eines/einer Therapeut/in zu übernehmen.

Folgende Hinweise und Tipps als Erkennungszeichen für das Vorliegen von Essstörungen sind von dem Autorenteam Bußmann/Bönnhoff/Jakob (2) in Kooperation mit dem Olympiastützpunkt Westfalen zusammengetragen worden:

Erste Hinweise für Trainer/innen und Betreuer/innen

  • Permanente Beschäftigung mit allem, was mit Essen, Kalorien, Körpergewicht, Diät und Figur etc. zu tun hat.
  • Große Angst vor dem Dickwerden bzw. einer Gewichtszunahme trotz geringen Gewichts.
  • Unrealistische Einschätzung und Bewertung des eigenen Körpers im Sinne einer Körperschemastörung, d. h. der/die Athlet/in nimmt sich sehr viel dicker wahr, als er/sie tatsächlich ist.
  • Intensives Interesse an der Nahrungszufuhr anderer und Bekochen anderer Personen, ohne selbst ausreichend mit zu essen.
  • Absonderliche Essrituale (z. B. die Nahrung in winzige Stücke zu schneiden).
  • Diskrepanzen zwischen dem tatsächlichen Gewicht und der Menge der scheinbar zugeführten Nahrung und/oder starke Gewichtsschwankungen.
  • Der/die Athlet/in versucht, ein Gewicht zu erreichen, welches unter seinem/ihrem Idealgewicht liegt.
  • Verhornungsmale an den Handrücken (beachte: dominante Hand), bedingt durch das selbst induzierte Erbrechen.
  • Beobachtbare Schwellungen der Speicheldrüsen (so genannte Hamsterbacken), Rhagaden an den Mundwinkeln, Wassereinlagerungen und häufige Kreislaufprobleme.
  • Isolierung, Heimlichtuerei und langes Verbleiben im Bad.
  • Das Tragen von sehr weiter Kleidung, um das tatsächliche Gewicht zu kaschieren.
  • Veränderungen des Gemütszustandes wie Reizbarkeit und depressive Verstimmungen.