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Ursachen von Essstörungen

Die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Anorexie oder Bulimie sind zweifelsohne multifaktoriell, d.h. es ist nicht ein einzelner Faktor alleine für die Erkrankung verantwortlich zu machen.

Einige Aspekte, die diese Essstörungen verursachen können (aber nicht notwendigerweise verursachen) sollen hier näher betrachtet werden.

Psychologische Ursachen

In den meisten Fällen steht der Krankheitsbeginn in Verbindung mit der Pubertät. Verunsichert durch die drastischen Veränderungen in der körperlichen Entwicklung und die Suche nach einer neuen Identität fühlen sich gerade junge Frauen von der Bewältigung der alterstypischen Anforderungen überfordert. Sie versuchen über die Kontrolle ihres Essverhaltens, Sicherheit und Ordnung in ihr sonst so chaotisches Leben zu bringen. Das Körpergewicht wird so eine wichtige Quelle für ihr Selbstwertgefühl.

Zudem kann eine Esssucht auch Ausdruck einer Auflehnung einer/s Jugendlichen gegen das Elternhaus oder eines Autonomiestrebens sein.

Es werden häufig bestimmte Verhaltensmuster in von Magersucht oder Ess-Brech-Sucht betroffenen Familien festgestellt. Oft sind es enge, nach außen hin intakte Familienbande mit starker Leistungsorientierung und Perfektionismus.

Pubertäre Konflikte werden oftmals nicht offen angesprochen oder nicht ernst genommen, d.h. dass auch in der Familie nicht angemessen auf die Entwicklung des Kindes zur Frau reagiert wird. Die Betroffenen fühlen sich selbst mit den Veränderungen überfordert.

Ob diese familiären Gegebenheiten tatsächlich die Ursache oder eher eine Begleiterscheinung der Erkrankung der Kinder sind, lässt sich derzeit nicht eindeutig klären.

Ein weiterer Faktor, der insbesondere bei der Bulimie häufiger auftritt, kann ein sexueller Missbrauch, häufig in der Familie oder im direkten Umfeld der betroffenen Person, sein.

Gesellschaftliche Ursachen

Das Schönheitsideal der Frau hat sich in den westlichen Gesellschaften seit Anfang der 60iger Jahre immer mehr in Richtung eines extrem schlanken

Körperbaus entwickelt. Zur selben Zeit wurde aber auf der anderen Seite durch einen relativen Wohlstand und ein steigendes Angebot an Nahrungsmitteln das Durchschnittsgewicht der Bevölkerung angehoben.

Gerade durch die Medien (Werbung, Zeitschriften) wurde ein Frauenbild erschaffen, welches einen schlanken Körper gleichsetzt mit beruflichem Erfolg und allgemeiner Beliebtheit. Für einen Großteil der Frauen ist dieses Idealbild aber nicht ohne diätische Maßnahmen erreichbar.

Junge Mädchen durchlaufen in der Pubertät massive Veränderungen und müssen erst ein neues Gefühl für ihren Körper aufbauen. Sie sind daher besonders verunsichert durch dieses Schönheitsideal.

Biologische Ursachen

Es werden zunehmend Veränderungen im Hormon- und Neurotransmitterhaushalt für die Entstehung von Essstörungen verantwortlich gemacht. Zu den relevanten Parametern gehören Serotonin, Noradrenalin, Cortisol, Endorphine , Dopamin u.a.

Es ist jedoch schwierig, diese ursächlich mit der Essstörung in Verbindung zu bringen, da einige Faktoren auch als Folge des Hungerstoffwechsels auftreten können.

Aktuelle Forschungen sprechen dafür, dass eine genetische Veranlagung an der Entstehung einer Anorexie beteiligt ist.

Zwillingsstudien ergaben schon recht früh, dass bei eineiigen Zwillingen die Wahrscheinlichkeit, dass beide an einer Magersucht erkranken, wesentlich höher ist als bei zweieiigen Zwillingen.

So scheinen genetische Veränderungen, die sich auf zentrale Mechanismen der neurohormonellen Regulation von Hunger und Sättigung (Serotonin, Noradrenalin) auswirken, bei Magersüchtigen häufiger vorzukommen. Das Hormon Leptin, maßgeblich an metabolen und gonadalen Regulationsprozessen beteiligt, wird derzeit ebenfalls als einer der möglichenVerursacher von Essstörungen diskutiert.