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Bulimia nervosa

Im Gegensatz zur Anorexie sind von der Bulimia nervosa Betroffene nach außen hin unauffällig, da sie ein im Normbereich liegendes Körpergewicht aufweisen.
Es ist eine heimliche Essstörung, da ihr Essverhalten in der Öffentlichkeit sehr kontrolliert ist und oftmals selbst Familienmitglieder nichts von der Erkrankung bemerken.

Bulimisches Verhalten wurde bereits in der Antike beschrieben, daher auch der Name "Ochsenhunger". Als psychiatrisches Syndrom ist es aber erst in der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre wissenschaftlich beschrieben worden. Aus klinischer Sicht ist die Bulimie ein komplexes Syndrom, welches Störungen des Essverhaltens, des Erlebens und der Physiologie umfasst.

In der Vorgeschichte und im Verlauf der bulimischen Erkrankung kann es immer wieder zu magersüchtigen Phasen kommen. Die verschiedenen Formen der Essstörungen haben fließende Grenzen und können sich jederzeit verlagern. Das Alter der Betroffenen bei Erkrankungsbeginn ist bei der Bulimie meist höher als bei der Magersucht.

Charakteristika der Bulimia nervosa>(DSM-IV)(1)

  • Wiederholte Episoden von Fressanfällen, d.h. schnelle Aufnahme riesiger Mengen an Nahrung und Kalorien in einem abgegrenzten Zeitraum.
  • Während eines Anfalls empfindet der/die Betroffene einen Kontrollverlust über das Essverhalten, sowohl über die Menge, die Zusammensetzung als auch über die Beendigung der Nahrungsaufnahme.
  • Um einer Gewichtszunahme entgegenzusteuern, wird regelmäßig zu Kompensationsmechanismen wie selbstinduziertes Erbrechen, Einnahme von Laxantien und Diuretika, strenge Diäten oder übermäßige sportliche Aktivität gegriffen.
  • Fressanfälle und Kompensationsmechanismen erfolgen mindestens zweimal pro Woche während mindestens 3 Monaten.
  • Übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht.

Subtypen

Man unterscheidet bei der Bulimie zwei Subtypen:

  • Abführender oder Purging Typ: In der gegenwärtigen Phase werden regelmäßig Erbrechen induziert und Missbrauch von Laxantien und Diuretika praktiziert.
  • Nicht abführender oder Non-Purging Typ: Regelmäßige Ausübung von exzessiver sportlicher Betätigung und Fasten in der gegenwärtigen Phase zur Kompensation der Fressanfälle.

Diagnose

Die Diagnose sollte nach DSM-IV oder ICD 10 erfolgen.

Im Gegensatz zur Anorexie besteht bei bulimischen Patienten/innen eine Krankheitseinsicht und ein hoher Leidensdruck. Dieser führt im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung dazu, dass sich sekundär zu der Essstörung depressive Symptome entwickeln.

Symptomatik

Die Erkrankung zeichnet sich durch die immer wiederkehrenden Fress- und Brechanfälle aus. Deren Häufigkeit kann von 1-2 mal pro Woche bis auf 20 pro Tag variieren.

Zwischen den Essanfällen ist die Nahrungsaufnahme durch ein gezügeltes Essverhalten geprägt. Kalorienreiche Lebensmittel werden gemieden und strenges Kalorienzählen oder extreme körperliche Aktivität praktiziert.

Während der Fressattacken werden vor allem besonders fett- und kalorienreiche Nahrungsmittel bevorzugt, gerade die, die zwischen den Anfällen absolut tabu sind. Eine Bulimie-Kranke "frisst" bei solch einer Heißhungerattacke durchschnittlich 3000-4000 kcal innerhalb von weniger als 4 Stunden. Es gibt sogar Extremfälle mit einer Aufnahme von bis zu 30000 Kalorien.

Um der verhassten Gewichtszunahme entgegenzuwirken und aufgrund der schlechten Gemütslage über den Kontrollverlust ("Ich fühle mich zum Kotzen") werden in den meisten Fällen selbstinduziertes Erbrechen, aber auch andere Kompensationsmechanismen herangezogen (siehe Charakteristika).

Intensive und übermäßige sportliche Betätigung wird sehr häufig als Mittel zur Gewichtsreduzierung praktiziert.

  

Medizinische Folgen

Körperliche Folgeschäden der Bulimie ergeben sich vor allem durch den Missbrauch von Medikamenten und das häufige Erbrechen.

Folgende körperliche Veränderungen werden meist beobachtet und sind für eine Bulimie charakteristisch.

Die sich aus der Erkrankung ergebenden endokrinen Störungen ähneln denen bei der Anorexia nervosa. Meist sind sie aber weniger ausgeprägt.

So klagen Bulimikerinnen oft über Zyklusunregelmäßigkeiten, es kann aber auch hier zu einer sekundären Amenorrhö kommen.