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Allgemeine Konstitution und Körperzusammensetzung der Frau

Bereits bei der Geburt können anthropometrische Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen festgestellt werden. Jungen sind ca. 1,4% größer und ca. 3,8% schwerer als Mädchen. In der Knochenentwicklung sind die Mädchen bei der Geburt den Jungen jedoch um durchschnittlich 2 Wochen voraus, ein Vorsprung, der sich bis zur Pubertät auf ca. 2 Jahre ausdehnt.

Mädchen schließen die Pubertät und damit auch das Längenwachstum ebenfalls ca. 2 Jahre frührer ab, was zu einer ca. 10-15 cm geringeren Körperlänge und zu einem ca. 20-25 kg niedrigeren Körpergewicht gegenüber Jungen am Ende der Pubertät führt.

Die Ursachen für die frühe Entwicklung bei Mädchen werden in der präpubertär stärkeren Entwicklung und intensiveren Sekretionsaktivität der weiblichen Eierstöcke gegenüber den männlichen Hoden gesehen. Die bereits in der vorpubertären Entwicklungsphase produzierten geringen Östrogenmengen bei Mädchen bewirken einerseits die schnellere Skelettreife, andererseits ein früheres Einsetzen der Pubertät. Diese kürzere Entwicklungszeit ist dafür verantwortlich, dass der Knochenbau der Frau um ca. ¼ leichter ist als der des Mannes und insgesamt graziler wirkt. Insbesondere gilt dies für die großen Röhrenknochen. In diesen ist das Trabekelsystem bei Frauen schwächer als beim Mann.

Für den weiblichen Körperbau ist die Rumpfbetonung typisch, für den männlichen eher eine Extremitätenbetonung. Die Rumpflänge beträgt bei der Frau ca. 38% der Körperhöhe, beim Mann sind es ca. 35%. Der Unterschied ergibt sich vor allem aus dem längeren und breiteren Becken der Frau.

Die Frau hat im Mittel schmalere Schultern als der Mann. Übersteigt die Schulterbreite der Frau das Becken durchschnittlich nur um ca. 3 cm, so sind es beim Mann bis zu 15 cm. Im Vergleich zum Mann erreicht die Schulterbreite der Frau ca. 90%.

Bei den Extremitäten zeigen sich gleichfalls geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Extremitäten der Frau sind durchschnittlich ca. 10% kürzer als beim Mann. Die Beine weisen bei der Geburt zwischen Jungen und Mädchen jedoch noch keine Längenunterschiede auf.
 Mit Einsetzen der Pubertät beim Mädchen bleibt das Längewachstum der weiblichen Beine bedingt durch den Anstieg des Östrogenspiegels hinter dem der Jungen zurück.

Der Bewegungsumfang der weiblichen Gelenke ist insgesamt größer. Die Muskulatur sowie der Sehnen- und Bänderapparat der Frau ist verglichen mit dem des Mannes dehnbarer und flexibler. Auch dies wird durch den Anstieg des Östrogenspiegels bei pubertierenden Mädchen verursacht.

Dies ist bei Ausdruckssportarten (Rhythmische Sportgymnastik, Wasserballett) oder Bodenturnen vorteilhaft, hinderlich jedoch bei leichtathletischen Wurfdisziplinen wie Speerwurf oder Diskuswurf bzw. bei Stützübungen, beispielsweise am Reck oder Barren.
Prominentes Zeichen der weiblichen Anatomie ist die Brust mit der Brustdrüse, der größten apokrinen Drüse. Beim Mann ist die Brustdrüse zwar auf Grund des heterozygoten Charakters der menschlichen Gene angelegt, wird aber nicht ausdifferenziert. Bei der Frau entwickeln sich 15-25 Drüsengänge, umlagert vom die äußere Form der Brust bestimmenden Fettgewebe.

  

Das Kapitel "Die weibliche Brust" geht ausführlich auf sportmedizinische Aspekte der weiblichen Brust ein.

Ausgeprägte geschlechtsspezifische Unterschiede liegen bei der Verteilung von Fett und Muskulatur vor. Der weibliche Körper verfügt über durchschnittlich 1,75 mal mehr Fettmasse als der männliche Körper, die Fettdepots befinden sich bei Frauen vornehmlich in den subkutanen Bindegeweben. Bedingt durch den größeren Fettanteil im Verhältnis zum Gesamtkörpergewicht und der oben bereits erwähnten geringeren Knochendichte ist die Gesamtdichte des weiblichen Körpers geringer als die des männlichen. Bei Frauen beträgt sie ca. 1,04 g/cm³ und bei Männern ca. 1,07 g/cm³ (18).

Auch die Skelettmuskulatur weist geschlechtsspezifische Unterschiede auf. So beträgt der Anteil der Muskulatur am Gesamtkörpergewicht bei der Frau durchschnittlich 36%, beim Mann durchschnittlich 42%.

Hinsichtlich der Verteilung der Muskelfasertypen (slow-switch-Fasern und fast-switch-Fasern) sind keine
 Geschlechtsspezifika bekannt, jedoch kann der Muskelquerschnitt beim Mann bis zu 20% größer sein als bei der Frau.

Die absolute Kraft der Frau ist geringer als die des Mannes. Ursache hierfür ist die höhere Konzentration an Testosteron im männlichen Blut. Hierdurch kommt es zu einer ausgeprägteren Ausbildung der Muskulatur des Mannes. Demgegenüber steht die größere Dehnbarkeit der weiblichen Muskulatur unter dem Einfluss der höheren Östrogenkonzentration bei der Frau.