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Sport und Kontrazeption

(Kontrazeption). Die Zuverlässigkeit der praktizierten Methode wird anhand des Pearl-Index ausgedrückt.

Kontrazeption: Unter Kontrazeption versteht man Maßnahmen zur Verhütung einer Befruchtung (Konzeption).

Die gängigsten Methoden der Schwangerschaftsverhütung sind in folgender Übersicht aufgelistet:

  • Hormonelle Verhütungsmethoden,
  • Chirurgische Methoden,
  • Barriere-Methoden,
  • Chemische Methoden und
  • Natürliche Familienplanung.

Die Kontrazeption mittels hormoneller Methoden nimmt mit 30% den größten Anteil aller empfängnisverhütenden Maßnahmen ein. Die Sterilisation bewegt sich etwa im Rahmen von 10% und die anderen Methoden weit unter 10%.

In Zusammenhang mit Sport soll hier ausschließlich auf die hormonelle Kontrazeption eingegangen werden.

Hormonelle Kontrazeption

Durch eine gezielte Gabe von Östrogenen und/oder Gestagenen während des Menstruationszyklus kann eine empfängnisverhütende Wirkung erzielt werden.

Erfunden wurde diese Methode in den USA von Gregory Pincus und Carl Djerassi . Diese erste sogenannte "Anti-Baby-Pille" hatte einen großen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben und insbesondere auf das Sexualleben der Frauen.

Man unterscheidet derzeit zwei Formen:

  • Gestagen-Monopräparate, die so genannte Minipille und
  • Ovulationshemmer, die klassische Anti-Baby-Pille

Bei der Minipille handelt es sich um ein reines Gestagenpräparat, welches oral oder als Depot verabreicht wird.

Die hohe kontrazeptive Sicherheit der Minipille ergibt sich durch periphere Effekte im Uterus, in den Tuben und der Vagina, da eine Unterdrückung der Ovulation nicht regelmäßig gegeben ist.

Ovulationshemmer bestehen aus einer Kombination aus synthetischen Östrogenen und Gestagenen, die eine Heranreifung eines sprungreifen Follikels und somit einen Eisprung verhindern sollen.

Die Einnahmen eines Ovulationshemmers und der Minipille starten am ersten Tag der Regelblutung und werden an den 21 folgenden Tagen fortgesetzt. Es folgt eine einwöchige Pause mit einer menstruationsähnlichen, aber kürzeren und schwächeren Entzugsblutung. Während des gesamten Zeitraums besteht eine Empfängnisverhütung.

Pille und Sport

Sportlerinnen und besonders Hochleistungssportlerinnen stellen besondere Anforderungen an den Gebrauch oraler Kontrazeptiva . Die Pille sollte folgende Faktoren entweder nicht oder positiv beeinflussen:

  • Leistungsfähigkeit,
  • Körpergewicht,
  • Blutdruck,
  • Blutgerinnung,
  • Fettstoffwechsel und
  • Kohlenhydratstoffwechsel.

Positive Effekte sollen sich bei folgenden medizinische Problemen ergeben:

  • Zyklusunregelmäßigkeiten,
  • prämenstruelles Syndrom und
  • Dysmenorrhö

Zusätzlich dürfen die Präparate keine androgenen bzw. anabolen Wirkstoffe enthalten. Denn Präparate mit androgenen Komponenten stehen auf der Dopingliste und sind somit im Leistungssport verboten.

Diese Forderungen werden von den meisten klassischen rein kontrazeptiven Präparaten, die heute auf dem Markt sind, erfüllt. Die Dosis der Hormone wurde im Laufe der Zeit immer mehr reduziert, um unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren und die Verträglichkeit zu optimieren. Dennoch gibt es einige Kontraindikationen für die Einnahme.

Mögliche Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten und vegetative Beschwerden können durch Veränderung der Hormonkonzentrationen und des Verhältnisses der Östrogene und Gestagene beeinflusst werden. Daher ist es für Athletinnen besonders wichtig, das für sie optimale Präparat zu finden.

Leistungsfähigkeit

Allgemein kann nicht davon ausgegangen werden, dass die verfügbaren oralen Kontrazeptiva einen negativen Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit ausüben. Eine leistungssteigernde Wirkung wird wahrscheinlich ebenfalls nicht erreicht. Aber gerade bei Sportlerinnen kann durch die positiven Effekte auf zyklusbedingte Beschwerden und die Zykluskontrolle eine Verringerung möglicher Leistungsschwankungen erreicht werden.


Eine direkte Leistungssteigerung durch die Einnahme oraler Kontrazeptiva kann nicht erreicht werden. Bei gewissen medizinischen Problemen kann aber eine höhere Leistungsstabilität erzielt werden.


Derzeit werden positive Effekte durch die Einnahme der Pille auf die Verletzungshäufigkeit von Athletinnen angenommen.

Positiv wirkt sich die Einnahme von oralen Kontrazeptiva auf den Knochenstoffwechsel bei zyklusgestörten Athletinnen ("Triade der sporttreibenden Frau") und Frauen im Klimakterium aus. Gerade bei der Prävention der Osteoporose stehen die positiven Effekte außer Zweifel. Ganz aktuell sind die Hormonpräparate für ältere Frauen jedoch wegen einer möglichen krebssteigernden Wirkung sehr in die Kritik geraten.


Orale Kontrazeptiva stellen ein wichtiges medizinisches Therapeutikum bei zyklusbedingten Beschwerden und Erkrankungen dar. Außerdem werden sie erfolgreich in der Prävention von Osteoporose und in der Behandlung von klimakterischen Problemen eingesetzt.


Menstruationsverschiebung

Unter gewissen Umständen ist bei Spitzensportlerinnen eine Verschiebung der Menstruation notwendig. Dies sollte aber die Ausnahme und nicht die Regel sein. Dabei unterscheidet man:

  • Vorverlegung der Menstruationsblutung oder
  • Hinausschieben der Regelblutung durch Pilleneinnahme.

Im Bedarfsfall sollte eine Vorverlegung der Menstruation gewählt werden, um bei einem Wettkampf die ungünstigeren körperlichen Effekte der prämenstruellen Phase auszuschließen.