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Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit im Zyklusverlauf

Es besteht eine große Schwierigkeit, exakte und allgemeingültige Daten über den Einfluss des Menstruationszyklus auf die Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit der Frau zu erhalten. Dies ergibt sich aus der individuellen Komplexität der endokrinen Regelungsmechanismen.
Wechselnde Konzentrationen der Östrogene und Gestagene beeinflussen nicht nur die motorischen Fähigkeiten, die Atmung, das Herz-Kreislaufsystem, das Körpergewicht und den Stoffwechsel, sondern auch die Psyche.

Durch diese zahlreichen physiologischen, zyklusabhängigen Effekte sind Einflüsse der Zyklusphase auf die Trainierbarkeit und Leistungsfähigkeit zu erwarten.

Zur Frage der Leistungsfähigkeit liegt eine Vielzahl von zum Teil widersprüchlichen Studien vor. Dies verdeutlicht die Tatsache, dass die zyklusabhängigen Veränderungen mit zahlreichen anderen metabolischen und endokrinen Faktoren interagieren.
 Die Datenlage zur Trainierbarkeit in Abhängigkeit von der Zyklusphase ist insgesamt sehr dünn. Dies liegt an der Schwierigkeit, gute Trainingsinterventionsstudien durchzuführen.

Nach dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Forschungen geht man von den im Folgenden beschriebenen Auswirkungen des Zyklusgeschehens auf die Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit aus. Hierbei besteht grundsätzlich eine große individuelle Variabilität. Einzelne Sportlerinnen können u.a. aufgrund der variablen hormonellen Schwankungen unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Reaktionen zeigen.

Menstruationsphase

Die Menstruationsphase scheint bei etwa einem Drittel der Sportlerinnen mit einer leichten Reduktion der Leistungsfähigkeit einherzugehen, während etwa zwei Drittel der Frauen eine gleich bleibende oder sogar gesteigerte Leistungsfähigkeit erzielen. Von einer Verminderung der Leistung scheinen vor allem die Ausdauerdisziplinen betroffen zu sein.

Ob subjektiv empfundene Beeinträchtigungen hierbei jedoch zum Teil durch psychologische und soziokulturelle Einflüsse bedingt sind, wie z.B. ein ungutes Gefühl beim Sport durch das Tragen eines Tampons, lässt sich nur schwer ermitteln. Tatsächlich wurde lange Zeit eine Befreiung vom Schulsport während der Blutungsphase praktiziert, was nach heutigem Kenntnisstand medizinisch nicht begründet ist, zumal auch die Menstruationshygiene mit der Verfügbarkeit von Tampons heute kein wesentliches Problem mehr darstellt.

Postmenstruelle / mitzyklische Phase

Die postmenstruelle Phase wird allgemein als die Phase der größten Leistungsfähigkeit angesehen. Dies gilt möglicherweise auch für die Trainierbarkeit. Dieses mögliche Leistungsoptimum wird der Wirkung der Östrogene, deren Konzentration in dieser Phase mit einem Peak zum Zeitpunkt der Ovulation kontinuierlich zunimmt, zugeschrieben. Durch ihre zum Teil anabolen Effekte ist möglicherweise insbesondere die Trainierbarkeit der Kraft höher als in späteren Zyklusphasen.

Prämenstruelle Phase

Nach der Ovulation folgt die in ihrer Länge annähernd konstante Lutealphase, deren letzten Tage vor der nächsten Blutung als prämenstruelle Phase bezeichnet wird. Diese scheint von einem negativen Einfluss auf das Leistungsvermögen und die Trainierbarkeit sportlich aktiver Frauen gekennzeichnet zu sein.

Antianabole Effekte, eine Stimulation des Atemzentrums, verminderte Konzentrationsfähigkeit und schnellere Muskel- und Nervenermüdung werden ursächlich in Zusammenhang mit dem zunehmenden Progesteroneinfluss gesehen.


Die Trainierbarkeit und Leistungsfähigkeit der Frau kann zyklusphasenabhängig schwanken. Das Ausmaß ist individuell sehr verschieden.