Zyklusstörungen - Übersicht und Tempoanomalien

Nur etwa 10% aller geschlechtsreifen Frauen haben einen regelmäßigen Menstruationsrhythmus von 28 ± 6 Tagen. Bei den übrigen 90% der Frauen liegen mehr oder weniger stark ausgeprägte Zyklusstörungen vor, die jedoch bei weitem nicht alle als therapiebedürftig eingestuft werden müssen. Vor allem zu Beginn und zu Ende der reproduktiven Phase sind Zyklusunregelmäßigkeiten normal. Aber auch in Zeiten erhöhter psychischer und körperlicher Belastungen z. B. im Sport, im Beruf, in der Familie oder im sozialen Umfeld, können Zyklusstörungen vermehrt auftreten.

Ein regulär verlaufender Menstruationszyklus ohne Beschwerden wird als Eumenorrhö bezeichnet.

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Die Menstruation beginnt im Mittel zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr. Die erste Blutung im Leben einer Frau bezeichnet man als Menarche. Die zu früh einsetzende Menstruation wird als Frühmenarche, die verspätet einsetzende Menstruation als Spätmenarche bezeichnet.

Zyklusstörungen werden in verschiedene Kategorien eingeteilt:

Tempoanomalien

Amenorrhö

Das Fehlen oder Ausbleiben der menstruellen Blutung wird als Amenorrhö bezeichnet. Man unterscheidet die:

Die Ursachen, die zu einer Amenorrhö führen, sind vielfältig. Genetische Anomalien oder Fehlbildungen der Geschlechtsorgane können die Ursache für die primäre Form sein. Daher sollte, wenn zu Beginn des 17. Lebensjahres noch keine Menstruation aufgetreten ist, zu deren Ausschluss eine gynäkologische Diagnostik durchgeführt werden.

Die sekundäre Amenorrhö ist in den meisten Fällen auf eine hormonelle Fehlsteuerung des Hypothalamus zurückzuführen.

Verschiedene Ursachen für diese Fehlsteuerung sind bekannt. So kommen hormonelle Faktoren wie eine Störung der Schilddrüsenfunktion oder erhöhte Kortisolausschüttung ebenso in Betracht wie psychischen Faktoren. Hierzu zählen Veränderungen des sozialen Umfeldes, Stresssituationen z. B. innerhalb der Familie, im Beruf oder durch Trennungen sowie extreme Krisensituationen (Kriegszeiten). Außerdem führt chronische Unterernährung zu einer Suppression des hypothalamischen Taktgebers für die Regulation der hormonellen Abläufe.

Oligomenorrhö

Liegt zwischen zwei Blutungsphasen von normaler Stärke und Dauer ein Intervall von 35-45 Tagen, spricht man von einer Oligomenorrhö.

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In den meisten Fällen kann sie auf hormonelle Unregelmäßigkeiten zurückgeführt werden. Sie tritt ohne weitere Beschwerden auf. Dennoch sollte bei wiederholten Frühaborten und bestehendem Kinderwunsch zur weiteren Abklärung eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden.

In den ersten 2-3 Jahren nach der Menarche treten Oligomenorrhöen gehäuft auf, da sich das reproduktive endokrine System noch nicht stabilisiert hat. Daher werden in dieser Zeit derartige Tempoanomalien eher normal als pathologisch eingestuft.

Durch gezielte Hormonsubstitution kann eine Oligomenorrhö bewusst herbeigeführt und somit der Zeitpunkt der Monatsblutung bestimmt werden. Dieses Verfahren wird besonders im Leistungssport bei Frauen mit Menstruationsbeschwerden oder mit prämenstruellem Syndrom (PMS) angewendet, um Wettkämpfe und Meisterschaften nicht von Zyklusbeschwerden negativ beeinflussen zu lassen.

Polymenorrhö

Monatszyklen von kürzeren Intervallen als 25 Tagen werden Polymenorrhö genannt. Sie kann von hormonellen Fehlsteuerungen in den Ovarien hervorgerufen werden und verläuft ohne weitere Beschwerden.

Treten Polymenorrhöen über einen langen Zeitraum und mit starker Blutung auf, besteht die Gefahr, dass es aufgrund des kumulativen Blutverlustes zu einer Anämie kommt. Dann sollte eine Behandlung z. B. mittels Hormonsubstitution erfolgen.

Metrorrhagie

Azyklische Uterusblutungen bei erhaltenem Zyklus bezeichnet man als Metrorrhagie.

Außerdem kann es zu Dauerblutungen oder irregulären Blutungen kommen. In diesen Fällen sollte unbedingt eine weitere Abklärung erfolgen, da derartige Blutungen Zeichen anderer Erkrankungen, z. B. einer Krebserkrankung der Gebärmutter, sein können.

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