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Zusammenspiel zwischen peripherer und fovealer Wahrnehmung

Zentrales (foveales) und peripheres Sehen sind beide Teil des wahrgenommenen Gesichtsfeldes. Ihre Unterscheidung lässt sich auf den Aufbau der Retina und die Sensorenverteilung zurückführen.

Das zentrale Sehen entspricht der visuellen Wahrnehmung, die aus der Projektion von Lichtreizen auf die Fovea centralis resultiert, und deckt einen Sehwinkel von ca. 2° ab.

Der übrige Teil der Netzhaut, die Netzhautperipherie, entspricht dem Bereich, der für das periphere Sehen verantwortlich ist.

Zentrales wie peripheres Sehen wirken je nach Art der visuellen Reizung sowie physiologischen, psychischen und kognitiven Aspekten der Wahrnehmung unterschiedlich an dem tatsächlich entstehenden visuellen (Gesamt-)Eindruck der Umwelt mit.

Dies ist ein wesentlicher Faktor für die Effizienz unseres visuellen Systems, da dadurch die Kapazität für eine hohe räumliche und zeitliche Auflösung der visuellen Informationsaufnahme geschaffen wird. Zentrales und peripheres Sehen bilden dabei zwei parallele visuelle Systeme.

Die Peripherie wird gegenüber dem Netzhautzentrum bei der Informationsverarbeitung bevorzugt behandelt. Taucht z.B. in der Peripherie plötzlich ein Objekt oder eine Bewegung auf, wird die zentrale Wahrnehmung zugunsten der Informationen aus der Peripherie unterdrückt, und die Aufmerksamkeit wird auf das neue Detail gelenkt.

Dabei erfolgt reflektorisch eine Neuorientierung von Kopf und Augen (mit Hilfe der Augenbewegungen) auf das zu analysierende Objekt. Danach kann die bessere räumliche Auflösungsfähigkeit des zentralen Sehens zur Analyse der Situation genutzt werden.

Dem peripheren Sehen kommt somit die Funktion der Detektion ("Entdeckung") zu.

Beispiel:

An diesem Beispiel wird die stammesgeschichtliche Bedeutung der Charakteristika des zentralen und des peripheren Sehens klar. Die hohe zeitliche Auflösungsfähigkeit der retinalen Peripherie bei gleichzeitiger kurzer Latenz kann dazu genutzt werden, periphere Reize schnell zu detektieren.

Dabei werden v.a. solche Reize besonders gut wahrgenommen, die entweder plötzlich auftreten (neu sind) oder sich schnell bewegen.

Dies sind meist Reize, die für ein Individuum interessant oder gar gefährlich sein könnten (z.B. die Bewegung eines Beutetiers oder Feindes).

Durch die Neuorientierung des Blickes (und damit der Fovea) auf das detektierte Objekt können durch die hier bessere räumliche Auflösungsfähigkeit genauere Informationen eingeholt werden. Da diese Ausrichtung auf den peripheren Reiz reflektorisch geschieht, geht nur wenig Zeit verloren. Die genaue foveale Analyse der Situation ermöglicht anschließend eine adäquate Reaktion auf den Reiz (z.B. Flucht).


Der Wahrnehmende orientiert sich also nicht durch sukzessive Aufnahme fovealer Informationen.

Er bedient sich ständig der in der Gesichtsfeldperipherie aufgenommenen Informationen, um sich im Raum zu orientieren und selektiv (durch Aufmerksamkeitslenkung) und/oder reflektorisch neue Fixationsorte auszusuchen.

Transferiert man die o.g. Sachverhalte in die Sportpraxis, so wird deutlich, dass z.B. der Fußball-Trainer, der am Rande des Spielgeschehens mit einem Ball spielt, oder aber der Tennis-Zuschauer, der während eines Ballwechsels seinen Tribünenplatz aufsucht, die eigentlichen Akteure auf dem Spielfeld von ihren "zentralen" Beobachtungsaufgaben ablenken können, weil sie - ohne dies zu wollen - die visuelle Aufmerksamkeit der Spieler über die periphere Wahrnehmung auf sich lenken.

Im Sport - speziell bei der Bewegungsbeobachtung und -beurteilung - liegen zum Teil auch sog. "synchronoptische Sehanforderungen" vor. D.h., dass simultan an verschiedenen Orten im peripheren Gesichtsfeld dargebotene Einzelobjekte bzw. -ereignisse auch gleichzeitig möglichst exakt erfasst werden sollten. Das gilt z.B. für die Beurteilung der Regelkonformität eines Tennisaufschlages, die der Fußfehlerrichter vornehmen muss: Fuß-Boden-Kontakt im Spielfeld erst nach Ballkontakt auf der Schlägerbespannung. Aufgrund der Unmöglichkeit, beide Ereignisse gleichzeitig foveal und damit scharf zu erfassen, sind bei einer solchen Beurteilungsaufgabe hohe Fehlerquoten zu erwarten.