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Zeitliches Auflösungsvermögen


Das zeitliche Auflösungsvermögen des visuellen Systems ist durch die Fähigkeit gekennzeichnet, kurz hintereinander auf der Retina eintreffende Reize auch als zeitlich voneinander unabhängig wahrzunehmen. Dies spielt beispielsweise bei der Wahrnehmung von Bewegungen eine große Rolle.


Physiologisch ist die Fähigkeit zur zeitlichen Auflösung durch die sog. Flimmerverschmelzungsfrequenz (FVF) bzw. Flimmerfusionsfrequenz beschreibbar. Als FVF wird die Frequenzschwelle bezeichnet, ab der intermittierend dargebotene Lichtreize nicht mehr als unterbrochen wahrgenommen werden, sondern der Eindruck eines kontinuierlich leuchtenden Lichtes entsteht. Die einzelnen Lichtreize verschmelzen demnach bei dieser Frequenz in der Wahrnehmung.

Die FVF ist von diversen Einflussgrößen abhängig. Dazu gehören Beleuchtungsstärke, Leuchtdichte und Kontrast sowie Größe des Testreizes und retinaler Darbietungsort.

Großflächige Reize werden in der Netzhautperipherie besser erkannt als in der Fovea, kleine Reize jedoch besser im fovealen Bereich als weiter außen. Die maximale zeitliche Auflösung ist bei den großen Reizen in der Peripherie deutlich höher als bei den kleinen in der Fovea lokalisierten.

Aufgrund der relativ geringen zeitlichen Auflösungsleistung des visuellen Systems können schnelle oder nur kurz dargebotene Bewegungsabläufe, wie z.B. das Auftreffen des Balles auf der Schlagfläche oder im Bereich der Linie im Tennis (beide Vorgänge vollziehen sich in weniger als 0,01 s), nur "interpolierend" wahrgenommen werden.

Das heißt, die Ballbewegung wird zwar nur punktuell "abgetastet", aber kontinuierlich wahrgenommen.


Der foveale Bereich der Netzhaut ist besonders für eine gute räumliche Auflösung geeignet, während sich der periphere Bereich der Retina eher durch seine gute zeitliche Auflösung bei gleichzeitig schlechterer räumlicher Auflösung auszeichnet. Dabei ist das unterschiedlich gute zeitliche Auflösungsvermögen weniger auf die unterschiedlichen Photosensortypen zurückzuführen als vielmehr auf die Art der Reizweiterleitung und Reizverarbeitung.