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Zentrale Sehschärfe


Die zentrale Sehschärfe, d.h. die Sehschärfe für die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut (unter photoptischen Bedingungen die sog. Fovea centralis), wird als Visus bezeichnet.


Die Definition des Visus (V) lautet:

wobei α der Sehwinkel des "kritischen Details" in Winkelminuten ist, der in einem Reizmuster gerade noch erkannt wird (sog. anguläre Sehschärfe).

Zur quantitativen Bestimmung des Visus werden C-förmige LANDOLT-Ringe verwendet. Der Proband hat die Aufgabe, die Öffnungslage im LANDOLT-Ring zu erkennen. Erkennt der Proband grenzwertig eine "Lücke" von 1 Winkelminute, so liegt definitionsgemäß ein Visus von 1,0 vor. Bei einem Visus von 2,0 beträgt die anguläre Sehschärfe folglich 0,5 Winkelminuten.

Landoltring

Der durchschnittliche Visus über alle Altersstufen der Bevölkerung beträgt ca. 1,0; dabei besteht eine deutliche Altersabhängigkeit.

Abhängigkeit der Sehschärfe vom Alter

Visuelle Funktionen wie die Sehschärfe unterliegen einer Reifungsfunktion, d.h., sie sind mit der Geburt noch nicht voll ausgebildet. Der Reifungsprozess zeigt dabei für die verschiedenen Sehfunktionen keinen einheitlichen Verlauf und zudem erhebliche interindividuelle Unterschiede. Sein Abschluss kann bis zum 25. Lebensjahr dauern.

Die Verschlechterung der Sehleistung in höherem Alter beruht u.a. auf Trübungen in den brechenden Medien, allgemein verlangsamten Stoffwechselprozessen, zerebralen Zellverlusten und einer senilen Miosis (Pupillenverengung). So werden von 80jährigen nur noch durchschnittliche Fernvisuswerte von 0,6 und von 85jährigen sogar nur noch von 0,3 erreicht.

Abhängigkeit der Sehschärfe von der Beleuchtung

Die Qualität des Sehens steht in engem Zusammenhang mit den jeweiligen Beleuchtungs- und Kontrastbedingungen. Die generelle Abnahme der Sehschärfe und anderer Teilleistungen des Sehsystems bei Verschlechterung der Beleuchtungsbedingungen ist allgemein bekannt.

Der Kontrast eines Sehobjektes gegenüber seiner Umgebung ist eine der wichtigsten Eigenschaften für seine Wahrnehmbarkeit (RASSOW 1988).

Der photometrische Kontrast (K), als Simultankontrast mit hellen Elementen der Leuchtdichte Lmax und dunklen Elementen der Leuchtdichte Lmin (Hell-Dunkel-Kontrast), die sich dem Beobachter gleichzeitig darbieten, ist definiert als

Der Vorteil dieser Kontrastdefinition besteht darin, das sie auf den Wert 1 normiert ist, d.h., K = 1 ist der mögliche Maximalkontrast, wenn Lmin = 0 ist. Der Minimalkontrast mit K = 0 liegt vor, wenn Lmax = Lmin ist.

Der photometrische Kontrast eines Objektes, der gerade noch ausreicht, um die subjektive Empfindung von zwei unterschiedlich hellen Anteilen des Objektes hervorzurufen, wird als Schwellenkontrast (KS) bezeichnet.

Der Schwellenkontrast hängt aber auch von weiteren Parametern, wie z.B. dem jeweiligen Adaptationsniveau des beobachtenden Auges, ab. Die Kontrastempfindlichkeit (KE) wird über den Kehrwert des Schwellenkontrastes (KE = 1/KS) beschrieben.