spomedial - Sportmedizin interaktiv lernen


Zentrale Verarbeitungsprozesse

Im visuellen Kortex wird die auf der Netzhaut abgebildete Umwelt topografisch, wie eine bestimmte Landschaft auf einer Landkarte, repräsentiert (= retinotop). Die Ausschnitte in der Sehrinde entsprechen jedoch nicht maßstabsgetreu den Ausschnitten auf der Netzhaut.

Für das relativ kleine Gebiet der Fovea centralis ist ein sehr viel größeres Areal der Sehrinde zuständig als für einen vergleichbar großen Bezirk in der Netzhautperipherie. Auch durch die Vorgänge der zentralen Verarbeitung im visuellen Kortex wird somit die Bedeutung der Fovea centralis für eine präzise visuelle Wahrnehmung offensichtlich.

Der Prozess des Sehens beschränkt sich also nicht nur auf die reine Aufnahme und "Übersetzung" der einfallenden Lichtreize in Nervenimpulse sowie deren Weiterleitung zum Gehirn.

Bereits auf der Ebene der Retina finden zahlreiche funktionelle Verarbeitungsvorgänge statt.

Bestimmte Merkmale werden dabei hervorgehoben, andere abgeschwächt, so dass ein modifiziertes Bild der Realität an das Gehirn weitergeleitet wird. "Wir sehen also nicht (nur) mit den Augen, sondern mit dem Gehirn". Letzteres wird am Beispiel der sog. optischen Täuschungen deutlich.

Optische Täuschungen im Sport können sich auch durch die quasi suggestive Wahl des Bewegungssystems ergeben. Im zielnahen Bereich eines 100-m-Laufes vergrößert ein Sprinter den Abstand zum restlichen Feld und siegt. Der führende Läufer wird aber nur scheinbar schneller, denn nahezu alle Sprinter durchlaufen bei maximalem Einsatz in Zielnähe eine negative Beschleunigungsphase mit abnehmender Geschwindigkeit; der Führende nur in geringerem Maße als der Rest des Feldes.

Ferner können z.B. in der Tennishalle Blendungen durch Scheinwerfer, ungünstig angeordnete Beleuchtungskörper oder Kamera-Blitzlichter auftreten, die gegebenenfalls zu Störungen der visuellen Informationsaufnahme führen. Durch die häufig einseitige Blendung ergeben sich unterschiedliche Adaptationszustände für beide Augen mit differierenden Leitungsgeschwindigkeiten in den ableitenden Neuriten der Nervi optici.

Die in den Sehzentren gleichzeitig eintreffenden Informationen signalisieren dann den anfliegenden Ball auf nicht korrespondierenden Netzhautstellen (sog. PULFRICH-Effekt). Der sich daraus ergebende scheinbare Raumeffekt des Balles führt zu einer unsicheren Schlagausführung mit entsprechend emotionalen Reaktionen der Spieler. Analog dazu sind Fehleinschätzungen bei Springreitern und solche im Automobilsport denkbar und zudem erheblich gefährlicher.