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Leberzirrhose und Sport

Bei bereits eingetretenen Komplikationen der Leberzirrhose ist gegenüber körperlicher Aktivität ein besonderes Augenmaß erforderlich. Am gefährlichsten ist dabei die Verstärkung der portalen Hypertension. Bereits eine mäßige körperliche Belastung (30 % der VO2max) vermag eine signifikante Drucksteigerung im portalen Stromgebiet bewirken. Zu diesem Anstieg kommt es trotz einer Abnahme des hepatischen Blutflusses um bis zu mehr als 50% bei maximaler Belastung durch Drosselung der Splanchnikusdurchblutung. Im Gegensatz zum portalen Blutfluss verringert sich der Blutfluss von Kollateralen (z. B. Vena azygos) nicht während moderater körperlicher Belastung. Die Aufrechterhaltung eines hohen Flusses in den Kollateralen mit einer Erhöhung des portalen Druckes bedingt eine Zunahme des Blutungsrisikos bei Vorliegen von Magen- oder Ösophagusvarizen, da die Wandspannung zunimmt und somit eine Dilatation der varikösen Gefäße mit gesteigerter Rupturgefahr resultiert. Patienten mit vorhandenen Varizen sollten daher auf diese Risikosteigerung hingewiesen werden.
Bei Vorliegen von Aszites bewirkt eine moderate körperliche Aktivität (30 min bei 3 METs) bereits eine deutliche Beeinträchtigung der Nierenfunktion mit entsprechender Stimulation des vasokonstriktorischen Systems. Dabei nehmen sowohl der renale Plasmafluss wie auch die glomeruläre Filtrationsrate ab. Es besteht eine enge Korrelation zwischen der Intensität der Belastung und der Beeinflussung dieser Größen. Bei intensiver Belastung (> 7 METs) nimmt auch die Clearance freien Wassers, das Urinvolumen und die Natrium-Exkretion ab. Diese Überlegungen haben klinische Relevanz. Bei dekompensierter Leberzirrhose mit Aszites ist eine Einschränkung der körperlichen Aktivität anzuraten.
Durch körperliche Aktivität wird der Ammoniakspiegel im Plasma erhöht. Ammoniak entsteht im Muskel durch die Desamination von AMP, gleichzeitig wird die hepatische Clearance durch eine Abnahme der Splanchnikusdurchblutung bei körperlicher Aktivität gedrosselt. Darüber hinaus ist die Harnstoffsynthese als Ammoniak-verbrauchender Prozess bei Leberzirrhose um ca. 30% reduziert und wird im Rahmen des abnehmenden pHs bei körperlicher Aktivität weiter eingeschränkt. Dieser Anstieg des Ammoniaks fällt bei Leberzirrhotikern deutlich höher aus und kann für die oftmals unter Belastung zunehmende Müdigkeit im Rahmen einer hepatischen Enzephalopathie mit verantwortlich sein.
Bei dekompensierter Leberzirrhose sollte von erschöpfenden Belastungen abgeraten werden.