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L-Carnitin

L-Carnitin ist eine Verbindung, die in Leber, Nieren und Gehirn gebildet wird. Die im Körper selbst syn-the-tisierte Menge (16 mg/Tag) reicht aus, um den Bedarf zu decken. Somit gehört L-Carni-tin nicht zu den essentiellen Nährstoffen, die über die Nahrung zugeführt werden müssen. Die mittlere tägliche Aufnahme mit der Nahrung beträgt 32 mg. In nennenswerten Mengen ist L-Carnitin in Fleisch vorhanden, während andere Nahrungsmittel nur geringe Mengen enthalten. Schaffleisch ist mit einem Gehalt von 210 mg/100 g Frischmasse der beste Lieferant, aber auch Rindfleisch (70 mg/100 g) und Schweinefleisch (30 mg/100 g) sind gute Quellen.
Im Körper sind 16 bis 20 g L-Carnitin gespeichert. 95 % davon liegen in den Skelettmuskeln vor, die L-Carnitin entgegen einen Konzentrationsgra-dien-ten aus dem Blut aufnehmen. Bei einer längerfristigen Supplementierung kann die körpereigenen Synthese unterdrückt werden.
  
Um in die Mitochondrien zu gelangen benötigen Fettsäuren ein Transportsystem, den sog. Carnitin-Shuttle.

  

Die Abbildung zeigt vereinfacht den Transport langkettiger Fettsäuren durch die Mitochondrienmembran. Die Fettsäuren werden von der Acyl-CoA-Synthetase (Acyl-CoA-S.) an Co-Enzym A gebunden. Die Carnitin-Palmitoyltransferase 1(CPT 1) konvertiert ankommende Acyl-CoA-Esterzu Acylcarnitin-Estern. Der Transport durch die innere Membran wird von der Carnitin-Acylcarnitintranslokase (CAT) vorgenommen. Die Carnitin-Palmitoyltransferase 2 (CPT 2) regeneriert die Acyl-CoA-Ester in der Matrix.
Befürworter einer Supplementierung von L-Carnitin argumentieren, dass durch erhöhte L-Carnitin Spiegel die Transportkapazität für Fettsäuren gesteigert würde, und dadurch mehr Fettsäuren für die Energiebereitstellung in den Mitochondrien vorhanden wären. Die begrenzenden Faktoren der Energiebereitstellung durch Fettsäuren sind die Anzahl und Aktivität der aeroben Enzyme sowie der Sauerstofftransport zu den Mitochondrien und nicht die Transportkapazität über Carnitin.

Tatsächlich konnte jedoch in gut kontrollierten Studien keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit durch eine L-Carnitin-Substitution nachgewiesen werden. Veröffentlichungen, die eine positive Wirkung auf die Leistungsfähigkeit propagieren, sind zumeist methodisch angreifbar (nicht kontrolliert) oder in sich widersprüchlich. Hinzu kommt noch, dass die Gesamtcarnitinkonzentration in der Muskelzelle durch Supplemente kaum erhöht wird. Vermutlich wird die positive Einschätzung einiger Probanden ihrer Leistungsfähigkeit nach L-Carnitin Supplementierung durch einen Placebo-Effekt hervorgerufen.
L-Carnitin-Supplemente haben keine trainingsähnlichen Effekte, denn sie erhöhen weder die Anzahl bzw. Aktivität der aeroben Enzyme (Katalysatoren des Energiestoffwechsels mit Beteiligung des Sauerstoffs) noch die Durchblutungssituation (Kapillarisierung, Herzminutenvolumen). Auch der Körperfettanteil wird nicht beeinflußt.
Anzeichen für eine im-munstimulierende Wirkung von L-Carnitin sind in vitro (im Reagenzglas) vorhanden, ein solcher Nachweis konnte in vivo (im gesamten Organismus) zumindest bisher nicht erbracht werden