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Allergien und Autoimmunerkrankungen

Beide Erkrankungsformen, Allergien und Autoimmunkrankheiten, sind verursacht durch eine gestörte Steuerung des Immunsystem. Die zentrale Störung ist die fehlerhafte Unterscheidung zwischen körpereigenen Strukturen und Fremdsubstanzen bei den Autoimmunerkrankungen und eine übertriebene Reaktion auf harmlose Fremdsubstanzen im Rahmen von Allergien. Krankheiten, die durch diese Störungen verursacht werden, zeigen sich oft erst durch die sekundären Veränderungen, welche durch die pathologischen Immunreaktionen entstehen.

Allergie

Beispielhaft genannt seien hier die zunehmende generalisierte Fibrosierung bei der Sklerodermie , die destruierenden Entzündungen der Gelenke bei der Rheumatoidarthritis sowie die Zerstörung der Markscheiden der Nerven mit der Folge der progredienten Lähmung bei Multipler Sklerose , die Zerstörung von Acetylcholinrezeptoren in den postsynaptischen Membranen der Motorischen Endplatten bei Myasthenia gravis mit der resultierenden Muskelschwächung oder die reflektorische Einengung der Atemwege bei allergischem Asthma. Es gibt eine große Zahl an Autoimmunerkrankungen und Allergien gegen nahezu jedes denkbare Antigen. Zumindest für die Autoimmunerkrankungen zeigten sich bei bisherigen Untersuchungen höhere Erkrankungshäufigkeiten bei Frauen. Es gibt bisher kaum Studien über den Einfluss von Sport auf das Immunsystem von Patienten mit Autoimmunerkrankungen. Die Sekundärfolgen der Erkrankungen können günstig beeinflusst werden.

Untersuchungen am Menschen zeigten unter moderater körperlicher Aktivität eine längere, höhere Bewegungsfähigkeit, geringere Depressionsneigung oder seltener Gelenkschwellungen bei rheumatoider Arthritis.

Rheuma

Gelenkveränderung bei Rheumatischer Arthritis an den Händen

Ebenso kann durch Training eine höhere Belastbarkeit bei allergischem Asthma erreicht werden. Allerdings sind sowohl Suppression als auch Aktivierung von Immunstörungen denkbar. Beispielsweise fand Ferry 1994 bei seinen Versuchen mit Ratten verschiedenen Geschlechtes ein grundsätzlich verschiedenes Krankheitsverhalten. Weibliche und männlich Tiere absolvierten ein tägliches Lauftraining.

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Rheumatische Arthritis

Nach Provokation einer Gelenkentzündung (im Sinne einer Autoimmunerkrankung) zeigten sich bei den weiblichen Tieren eine Zunahme der Entzündungen von 45% bei nicht trainierten Ratten auf 74% bei den trainierten Tieren. Bei den männlichen Tieren sank die Rate von 59% auf 27%.Die Interpretation dieser Ergebnisse ist nicht eindeutig und die Übertragbarkeit auf den Menschen derzeit nicht gegeben. Einige Untersuchungen deuten auf Störungen der Funktion der T-Lymphozyten und von antigenpräsentierenden Zellen hin. Diese Funktionsstörungen können zu Verschiebungen in den Syntheseraten der pro- und antiinflammatorischen Cytokine führen, welche wiederum die Immunantwort steuern. Diese Verschiebungen, damit auch die Beeinflussung der Immunantwort sind für einzelne Autoimmunkrankheiten sehr unterschiedlich. Die Art der Immunzellreaktion bei Gesunden auf Sport hängt von der Dauer und Intensität der körperlichen Aktivitäten ab. Bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder Allergien ist die körperliche Aktivität jedoch oft durch die Folgen der Störung deutlich limitiert und im Rahmen der medikamentösen Behandlung erfolgt die Einnahme von immunsuppressiven Substanzen. Es bedarf somit noch weiterer Untersuchungen mit Beobachtung einzelner immunologischer Parameter im Krankheitsverlauf und unter sportlicher Betätigung.
Zusammenfassend scheint regelmäßiger und moderater Sport für den Verlauf und theoretisch auch für die Prävention günstig zu sein.
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