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Karzinome

Die Bedeutung von Sport, auch Hochleistungssport im Zusammenhang mit Krebserkrankungen ist nicht erst seit Lance Armstrong bekannt. Sie erlebte aber in dieser Zeit zunehmende Beachtung.

Eine positive Wirkung von Sport ist über verschiedene, jedoch nicht nur immunologische, sondern auch endokrinologische, ernährungsbedingte sowie weitere Mechanismen für einige Tumoren nachgewiesen, so für Kolonkarzinome, Mammakarzinome und Tumoren des weiblichen und männlichen Reproduktionstraktes.

Für die Entstehung von Kolonkarzinomen ist unter anderem die Passagezeit der aufgenommenen Stoffe im Dickdarm von Bedeutung. Wird die Passage zum Beispiel durch körperliche Aktivität beschleunigt, so verkürzen sich die Kontaktzeiten der Zellnoxen. Die Wahrscheinlichkeit einer Tumorinduktion sinkt. Deutlicher zeigt der Cortisolanstieg bei sportlicher Belastung den Zusammenhang. Die bedingte Suppression der Lymphozytenproliferation und NK-Zellaktivität stört die natürliche Toxizität dieser Zellen gegen Tumorzellen.

Für die Tumorentstehung nimmt man ein Mehrschrittmodell an. Zunächst bedingen Veränderungen die Entstehung einer abnormen Krebsvorläuferzelle. Erst weitere Veränderungen der genetischen Information führen zur eigentlichen Krebszelle mit der ihr eigenen Fähigkeit der schnellen ungerichteten Vermehrung und der späteren Metastasierung. Das Immunsystem hat hier eine Überwachungsfunktion. Es erkennt und vernichtet abnorme Zellen. Die Abwehrmechanismen des Immunsystems sind jedoch nicht in allen Entwicklungsstufen der Tumorzellen gleichermaßen wirksam.

Natürliche Killerzellen:

Sie bekämpfen die meisten Tumorzellen. Der Einfluß von akuten Sportlichen Belastungen führt zu einer Mobilisation der Zellen und Steigerung der zytolytischen Aktivität. Überlastung, ultralange Belastungen führen jedoch zu einer Verringerung der Zellzahl und Aktivität. Die Zunahme der Metastasenhäufigkeit bei verminderter NK-Zellaktivität ist belegt, ein direkter Zusammenhang mit überlastendem Sport ist derzeit jedoch nicht nachgewiesen.

Lymphozyten:

Cytotoxische T-Zellen zerstören Tumorzellen. Die T-Helferzellen sezernieren Interleukine. Moderate körperliche Aktivitäten steigern die T-Zellaktivität und steigern die Zellproliferation. Exzessive körperliche Belastungen dämpfen aber die Lymphozytenproliferation.

Makrophagen:

Sie haben wesentlichen Anteil in der Verhinderung von Tumoren. Durch die initiale Phagozytose verdächtiger Zellen und nachfolgende Ag-Präsentation sowie die Sekretion von IL-1 und TNF schützen sie den Körper vor entarteten Zellen. Im Gewebe haben diese Zellen eine nur geringe Aktivität. Es bedarf einer mehrstufigen „Zündung“, um die volle Aktivität zu erreichen. Die durch körperliche Betätigung verursachten Mikrotraumen können die Rolle einer solchen „Zündung“ übernehmen. Weiterhin führen solche Belastungen zu einem zeitweiligen Anstieg der zirkulierenden Makrophagenvorläufer, den Monozyten. Ein Anstieg der Phagozytoseaktivität ist ebenfalls belegt. Dennoch ist hier der Nachweis der somit bedingten Tumorregression nicht erbracht.

Neutrophile Granulozyten:

Neutrophile Granulozyten können Tumorzellen durch Peroxidase und freie Radikale zerstören. Körperliche Belastung führt zu einem deutlichen Anstieg der Zellzahl und der zytotoxischen Aktivität. Dieser ist jedoch bei trainierten Athleten etwas geringer ausgeprägt.

Akute-Phase-Proteine:

Sie binden an die Zelloberfläche der Tumorzellen. Das führt zu einer deutlichen Steigerung der Phagozytose und Chemotaxis. Sie haben ebenso Einfluss auf die Verteilung der Makrophagen m Gewebe. Körperliche Belastung führt zu einem Anstieg des CrP bis zum Sechsfachen für einige Tage.
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Cytokine:

  • IL-1:
    IL-1 hat einen direkten zytotoxischen Effekt auf Frühformen. Metastasenzellen entwickeln eine zunehmende Resistenz. IL-1 steigert die Aktivität der zytotoxischen Zellen. Allerdings erhöht sich auch die Adhärenz von Tumorzellen an die Epithelzellen als Wegbereiter der Metastasierung. Körperliche Belastung steigert die Produktion von IL-1 mit nachfolgend höheren Konzentrationen.
  • Interferon:
    IFNa wirkt zytostatisch (hemmt Wachstum und Teilung) auf Tumorzellen und aktivierend auf Makrophagen und NK-Zellen. IFNg steigert die zytotoxische Aktivität der Makrophagen. Nach moderaten längeren Belastungen sind Konzentrationsanstiege nachweisbar.
  • TNF :
    Tumornekrosefaktora stimuliert die Phagozytoseaktivität und Adhärenz der Granulozyten und wirkt durch Zerstörung der versorgenden Blutgefäße zytostatisch und zytotoxisch auf Tumorzellen. Nach längeren Ausdauerbelastungen sind erhöhte Konzentrationen nachweisbar.

Eine regelmäßige sportliche Betätigung im Sinne der Gesundheitssportempfehlungen führt nachweislich zu einer Risikoreduktion für die Entstehung von Kolonkarzinomen (Rektumkarzinomen) des Mannes, für das Mammakarzinom und das Prostatakarzinom gilt dies als wahrscheinlich. Die Gesamtmortalität für Krebserkrankungen kann um etwa 50% sinken.

Tierexperimentelle Studien deuten jedoch daraufhin, daß eine Steigerung des oxidativen Stresses bei schwerem erschöpfendem Training die Gefahr einer Tumorinduktion steigern könnte, andererseits werden die Aktivitäten antioxidativer Enzymsysteme ebenfalls gesteigert. Studien an Menschen existieren diesbezüglich nicht. Die Zusammenhänge sind komplex und nicht für alle Tumoren gleichermaßen gültig. Die Einschätzung der individuellen optimalen „Sport-Dosis“ erweist sich dabei als schwierig. Es besteht sowohl für den präventiven, adjuvant-therapeutischen und rehabilitativen Bereich noch erheblicher Forschungsbedarf.

Bakterienabwehr mit Antikörpern besetztes Bakterium und Granulozyt

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