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Psychose

Allgemein wird der Zustand eines Menschen als psychotisch bezeichnet, wenn sein Verhalten so sehr von der Norm abweicht, dass der Kontakt mit der Realität verloren gegangen ist (53).

Die Psychose ist nicht nur eine gesteigerte Form der Neurose, sondern ein eigenständiger pathologischer Befund. Der Neurotiker ist von Angst und Furcht geprägt, erkennt aber sein irrationales Verhalten, während beim Psychotiker Affektverflachung, unangemessene Gefühlsäußerungen oder manisch-depressive Reaktionen zu beobachten sind, die er selbst selten als unübliches Verhaltensmuster erkennt.

Man unterscheidet die exogene Psychose, also die organisch begründbare, z.B. bei Hirntumoren, nach Schlaganfällen oder nach Infektionen (Infektionspsychose) und die endogene oder funktionelle Psychose ohne erkennbare körperliche Ursache, die in drei Hauptgruppen unterteilt werden kann (siehe Tabelle) (53). Auch Mischformen zwischen affektiver Psychose (Depression) und Schizophrenie sind möglich.

Störungen im Bereich der Neurotransmittersubstanzen im Gehirn werden u.a. als Ursache diskutiert.


Grundsätzlich muss zunächst eine organische Ursache ausgeschlossen werden.


Einteilung der endogenen bzw. funktionellen Psychosen

Depression

Die Depression gehört zu den häufigsten psychiatrischen Krankheitsbildern mit hoher Prävalenz und Inzidenz im Morbiditätsspektrum und kann grundsätzlich bei allen psychischen und organischen Erkrankungen auftreten.

Die eigentliche endogene Depression ist Teil der affektiven Psychose. Charakteristisch ist die niedergeschlagene Stimmung, das Gefühl der Sinnlosigkeit, innere Unruhe, Interessenverlust und der damit verbundene soziale Rückzug (siehe Abbildung). Diese Symptome sind prinzipiell noch nicht krankhaft; Dauer, Intensität, Verlauf und Häufigkeit des Auftretens sind entscheidend.

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Hauptmerkmale der Depression (53)

Während der Akutphase steht die medikamentöse Therapie durch Psychopharmaka (Antidepressiva) im Vordergrund. Der Betroffene muss zunächst entlastet werden. Daher ist es kontraproduktiv, Depressive ständig aufzufordern "sich zusammenzureißen" und sich der speziellen Situation zu stellen.

Sport- und Bewegungstherapie

Eine Verbesserung der Befindlichkeit durch körperliche Aktivität ist bei Gesunden umfangreich belegt. Auch die antidepressive Wirkung von Sport konnte in mehreren kontrollierten Studien nachgewiesen werden (41).
Besonders geeignet erscheinen moderate Ausdauerbelastungen (Walking, Jogging, Radfahren, Schwimmen), aber auch Krafttraining zeigt vergleichbare Wirkungen.

Mannschaftssportarten wie z.B. die Sportspiele bzw. Spielformen (z.B. Prellball, Volleyball, Basketball) können vor allem wegen des gruppendynamischen Effektes zur Besserung beitragen. Gerade auch im Rudersport mit einem Partner oder einer Mannschaft sind physiologische und psychosoziale Effekte in idealer Weise miteinander kombinierbar. Kranke werden aus ihrer Isolation herausgeholt und lernen, sich mit ihrem Körper und anderen Menschen auseinander zu setzen. Dabei erscheint vor allem das Übernehmen von Verantwortung, aber auch die Ein- bzw. Unterordnung in einer Gruppe bzw. mit einem Partner ein wichtiger Aspekt zu sein. Entscheidend für den Therapieerfolg ist, dass das Trainingsprogramm regelmäßig wahrgenommen wird und einen ständigen und verlässlichen Bezugspunkt bildet. Überforderungssituationen und Misserfolgserlebnisse sollten so weit wie möglich vermieden werden.

Schizophrenie

Schizophrenien sind häufig genetisch bedingt, biochemische Ansätze werden diskutiert. Umwelteinflüsse können die psychische Anfälligkeit begünstigen.

Diese Erkrankung wird deshalb als multifaktoriell bedingter pathologischer Zustand verstanden, bei dem eine vulnerable Person auf überfordernde Situationen mit Dekompensation reagiert.

Die Hauptsymptome für diese Erkrankung sind:

  • Realitäts- und Identitätsverlust
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Wahnideen und Halluzinationen

Die Betroffenen sind einer Therapie meist nur schwer zugänglich und auch nach ersten Heilungserfolgen treten häufig Rückfälle auf.

Sport- und Bewegungstherapie

Der Schwerpunkt einer bewegungstherapeutischen Behandlung sollte eine Schulung der Körperwahrnehmung sein.

Durch Spüren, Erleben und Bewusstmachen des eigenen Körpers und durch selbstinitiierte und -gesteuerte Bewegungshandlungen, Selbstmassagen u. ä. lässt sich die Ich-Identität fördern. Außerdem sollten aktivierende, die Aufmerksamkeit und Konzentration fördernde Bewegungselemente zum Einsatz kommen. Aufgrund der Rückzugstendenz, des Vermeidungsverhaltens und der Passivität sind Partnerübungen bzw. Bewegungsformen in Kleingruppen, die Erfahrung mit sozialer Unterstützung ermöglichen, empfehlenswert. Auch der Umgang mit angstauslösenden Situationen kann im Rahmen eines Sport- und Bewegungsprogramms vermittelt werden (siehe Abbildung).

Partnerübung zur Vertrauensförderung

Hierzu eignen sich z.B. bestimmte Übungen aus dem Bereich des Turnens unter Einsatz entsprechender Geräte (Kasten, Trampolin etc.) und Regulationsstrategien wie beispielsweise Atem- und Entspannungsübungen.