spomedial - Sportmedizin interaktiv lernen


Unser Gedächtnis

Für unsere Gedächtnisleistungen sind die Neuronen der Großhirnrinde verantwortlich.
Die Gedächtnisbildung beruht auf neuronalen Stoffwechselvorgängen, die bleibende Veränderungen der synaptischen Membran bewirken (62).

Der Hippocampus und die Amygdala spielen für die Speichervorgänge in unserem Gehirn eine Schlüsselrolle.
Sie organisieren das Langzeitgedächtnis, indem sie immer dann in Aktion treten, wenn Informationen mittel- oder langfristig behalten werden sollen (19).
Beide sind Zentren des limbischen Systems und verfügen über vielfältige Verbindungen mit anderen Hirnregionen.
Das ermöglicht es ihnen, die Bedeutung von verarbeiteten Signalen zu bewerten und das Resultat auf die Großhirnrinde zurück zu projezieren (29).

Bevor Informationen an verschiedenen Orten der Großhirnrinde permanent gespeichert werden, lagern sie über einen längeren Zeitraum im Hippocampus.
Da Informationsinhalte bei ihrer Speicherung mit bereits existierendem Wissen in der Großhirnrinde verknüpft werden, ermöglicht die Lagerung im Hippocampus schnelleren Zugriff auf Informationen, die an zweckmäßigen Orten in der Großhirnrinde lokalisiert sind (16)

Hierbei gilt: je größer die Anzahl der Verbindungen mit existierendem Wissen, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, daß auf die gespeicherten Informationsinhalte zu einem späteren Zeitpunkt wieder zugegriffen werden kann." (16)

Die Speicherung von Gedächtnisinhalten und deren Verarbeitung erfolgt an verschiedenen Stellen der Großhirnrinde:

  • Bestimmte Bereiche der Schläfenlappen sind für die Wiedererkennung von Bildern verantwortlich.
  • Bestimmte Bereiche der Stirnlappen sind für die Speicherung der Reihenfolge von Bildern verantwortlich.
Zoom (23KB)

Formen des Gedächtnisses

a. sensorisches/ikonisches Gedächtnis:

Es handelt sich um ein äußerst kurzzeitiges photographisches Gedächtnis. Es baut sich innerhalb von ca. 200 Millisekunden wieder ab (58).

b. Kurzzeitgedächtnis/primäres Gedächtnis: (13)

Unser Kurzzeitgedächtnis besitzt eine begrenzte Aufnahmekapazität; es kann nur etwa sieben Items einer völlig neuen Information (z.B. einer Telefonnummer) speichern.
Im Alltag nehmen wir zahlreiche Informationen auf, die zunächst in unser Kurzzeitgedächtnis aufgenommen werden.

Da es sich i.d.R. um Ereignisse handelt, die uns zumindest zum Teil vertraut sind, verschmelzen neue Informationen mit denen im Langzeitgedächtnis sowie mit unseren Erfahrungen. Durch diese Verknüpfung können die Informationen deutlich länger im Kurzzeitgedächtnis behalten werden. Dieser Speicher wird als Arbeitsgedächtnis bezeichnet.

c) Langzeitgedächtnis/sekundäres Gedächtnis: (13)


Das Übernehmen von Informationen in das Langzeitgedächtnis wird als sog. Konsolidierungsprozess bezeichnet.


Durch Wiederholung und/oder verstärkende Parallel-Prozesse gelangen lernspezifische Informationen in den Speicher des Langzeitgedächtnisses.
Hier werden große Kapazitäten dauerhaft gespeichert. Je nach Gewichtung der Informationen kann ein deutlicher Unterschied in der Zugriffsgeschwindigkeit festgestellt werden (13).

Werden Informationen im Langzeitgedächtnis gespeichert, so kommt es zu Veränderungen in den Neuronenverbänden. Diese Veränderungen werden als Spuren oder Engramme bezeichnet.
Die Engrammbildung wird im ausgereiften Gehirn von global organisierten Kontrollsystemen überwacht, die ihre Informationen aus dem limbischen System beziehen (29).

Alltägliche Bewegungsabläufe, wie etwa das Laufen oder Fahrradfahren werden nie vergessen. Sie sind im sog. tertiären Gedächtnis lokalisiert, das ein eigenständiger Teil des Langzeitgedächtnisses ist. Es ermöglicht eine extrem kurze Zugriffsdauer (13).

Das motorische (prozedurale) und semantisch-kognitive (deklarative) Gedächtnis sind unterschiedlichen Funktionsarealen des Gehirns zugeordnet.
Dabei sind sie miteinander und mit sensorischen Arealen verknüpft.


Wo genau das Langzeitgedächtnis lokalisiert ist, kann nicht beantwortet werden.
"Man nimmt an, dass neben dem Assoziationskortex auch die Basalganglien und für motorische Bereiche - das Kleinhirn in Frage kommen." (13)

Biochemische Prozesse:

Das sensorische Gedächtnis beruht auf bioelektrischen, transmitterbedingten Vorgängen.
Nach dem Eintreffen einer lernspezifischen Information kommt es beim Kurzzeitgedächtnis zu neurochemischen Reaktionen.
Im Zellkern kommt es zum Aufbau von Eiweißmolekülen in perikarionalen Strukturelementen.

Die chemische Struktur dieser Eiweißmoleküle hängt von den elektrophysiologischen Prozessen an der Membran sowie von den beteiligten Transmittern ab.
Der Aufbau der Eiweißmoleküle benötigt Minuten bis Tage.

Sobald der Transport der synthetisierten Eiweißmoleküle an bestimmte Stellen der Membran und ihr Einbau in die Lipidstruktur abgeschlossen ist, liegt das Langzeitgedächtnis vor.

Die drei Gedächtnisphasen setzen sich also aus einer Sequenz von Einzelprozessen zusammen, die sich jedoch immer gegenseitig bedingen (62).

Da die Speicherung von Informationen ins Kurzzeitgedächtnis nur Sekunden bis Minuten beträgt, kann der Speicherprozess nicht auf permanenten Änderungen im Nervensystem, z.B. in Form neuer Synapsenbildungen beruhen.


Wenn es also zu keiner Erhöhung der Anzahl an Verbindungen kommt, muss eine Erklärung in der Ausschüttung und Wirkung der beteiligten Neurotransmitter zu finden sein.
 Laut dem Fonds "Jahr des Gehirns 1999" kann es sich um folgende Änderungen handeln (16):

  • Veränderte Anzahl der freigegebenen Vesikel bei der Bildung des Aktionspotentials
  • Veränderte Menge der in den Vesikeln enthaltenen Neurotransmitter
  • Veränderte Anzahl der produzierten und verfügbaren Vesikel
  • Veränderte Wiederaufnahme- oder Abbauprozesse der Neurotransmitter
  • Veränderte Anzahl oder Sensibilität der Rezeptoren.

Im Gegensatz dazu beruht die Speicherung von Informationen ins Langzeitgedächtnis auf permanenten Strukturänderungen im Nervensystem.

Förderung der Gehirnaktivität:

Bestimmte Neurohormone können die Gedächtnisleistung fördern, aber auch hemmen.
Dabei spielt die Amygdala , die an der Speicherung von Informationen in das Kurzzeitgedächtnis involviert ist, eine entscheidende Rolle: Geringe Substanzdosen erleichtern die Erinnerung, wenn sie direkt in die Amygdala eingebracht wurden. Bei einer Schädigung der Amygdala kommt es zu Störungen des Kurzzeitgedächtnisses (58).


Adrenalin gehört z.B. zu den Substanzen, die die Gedächtnisleistungen am besten fördern. Da Adrenalin zusammen mit Noradrenalin immer dann ausgeschüttet wird, wenn der Organismus unter Stress steht, werden vor allem solche Erfahrungen am besten behalten, die in einem Zustand der Aufmerksamkeit oder mäßiger Spannung gemacht werden.