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Ermüdungsbruch

Ätiologie

Bei der Ermüdungsfraktur (=Stressfraktur, Marschfraktur) handelt es sich um eine Verletzung des Knochens zunächst ohne eine sichtbare Kontinuitätsunterbrechung (siehe auch "Reaktion auf Überlastung" im Kapitel "Knochen" des Moduls "Passiver Bewegungsapparat").
Sie ist Folge von langandauernden und sich ständig wiederholenden Belastungen des Knochens im Sinne von Mikrotraumatisierungen und mit der Materialermüdung von Werkstoffen vergleichbar. Im Prinzip kann jeder Knochen des menschlichen Körpers vom Ermüdungsbruch betroffen sein. Besonders häufig tritt er jedoch im Schien- und Wadenbein und den Mittelfußknochen, aber auch beim Schenkelhals auf. Im Sport findet man diese Überlastung vor allem bei Ausdauerläufern.

Diagnose

Der Betroffene klagt meistens seit einem längeren Zeitraum über Beschwerden während der sportlichen Belastung. Ein akuter Schmerzbeginn oder ein schmerzauslösendes Ereignis ist nicht erinnerlich. Daneben findet sich ein lokaler Druck- und Belastungsschmerz.
Ein "frischer" Ermüdungsbruch ist im Röntgenbild zunächst nicht sichtbar.

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Ermüdungsbruch an der Tibia (0. und 6. Woche)

Nach etwa 2-3 Wochen können jedoch die reaktiven Heilungsprozesse des Knochens dargestellt werden. Eine frühzeitige Diagnose ist mit Hilfe der Knochenszintigraphie und der Kernspintomographie möglich.

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Knochenszintigramm

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Kernspintomographie

Therapeutische Möglichkeiten und Prognose

Eine operative Stabilisierung des Ermüdungsbruchs ist in aller Regel nicht notwendig. Je nach Lokalisation wird eine Reduzierung der Belastung oder eine völlige Ruhigstellung der betroffenen Gliedmaßen empfohlen, bis nach etwa 4-12 Wochen eine Schmerzfreiheit eintritt. In dieser Zeit ist jedoch zur Erhaltung der Muskulatur und der Beweglichkeit eine intensive Physiotherapie und ein sportliches Training ohne Belastung der verletzten Struktur (z.B. beim Schwimmen oder Radfahren) sinnvoll. Nach der Ausheilung der Fraktur sind die Verletzten wieder voll sporttauglich.

Einfluss auf die Sportfähigkeit und sportliche Belastbarkeit

Eine sportliche Aktivität kann während der Reparationsphase zur Erhaltung der stabilisierenden Muskulatur und der Beweglichkeit bedingt möglich und sinnvoll sein (je nach Lokalisation der Fraktur).

Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die verletzte Struktur keiner zusätzlichen Belastung ausgesetzt ist. Bei einem Ermüdungsbruch im Bereich der unteren Extremität bieten sich folgende Sportarten an:

  • Schwimmen,
  • Aquajogging oder
  • Radfahren mit kleinen Gängen und einer hohen Umdrehungszahl.

Die volle sportliche Belastbarkeit wird je nach Lokalisation nach etwa 4-12 Wochen erreicht.