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Schulterluxation

Ätiologie

Unter einer Schulterluxation versteht man die Ausrenkung des Oberarmkopfes aus der flachen Gelenkpfanne entweder nach vorne unten (mit 95% am häufigsten, siehe Bild rechts) oder nach hinten . Die geringe knöcherne Führung (nur 30% des Humeruskopfes haben Kontakt mit der Gelenkpfanne) und die lockere Bandführung bewirken, dass das Schultergelenk am häufigsten von allen menschlichen Gelenken von einer Luxation betroffen ist. Sie gehört zu den oft auftretenden Sportverletzungen besonders beim American Football, Rugby, Handball oder alpinen Skifahren. Bei der Schulterluxation wird die traumatische (d.h. durch einen Unfall bedingte) von der habituellen Schulterluxation unterschieden. Bei letzterer renkt sich der/die Betroffene schon bei Bagatellbewegungen wie dem Anziehen einer Jacke die Schulter aus. (siehe Video )

Bei der erstmaligen Luxation müssen erhebliche Hebelkräfte auftreten, wie es z.B. im Handball durch den Schlag eines Gegners gegen den erhobenen Wurfarm des Angreifers der Fall ist. Zu 30% führt solcher direkte Gegnerkontakt zu der Luxation, zu 70% sind indirekte Traumata wie der Sturz auf den ausgestreckten Arm die Ursache. Typische Symptome sind starke Schmerzen, eine sicht- und tastbare Delle im Bereich der Gelenkpfanne (verbunden mit dem tastbaren Oberarmkopf in der Achselhöhle) sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit des Arms (siehe Bild unten).

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Schulterluxation

Diagnose

Die Diagnose wird durch Röntgenaufnahmen des Schultergelenks in 2 Ebenen gesichert.

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Röntgenbild vor (links) sowie nach (rechts) der Reposition einer vorderen Schulterluxation

Zum Ausschluss von Begleitverletzungen im Bereich der Rotatorenmanschette und des Knochens wird nach erfolgter Reposition eine Sonographie oder eine Kernspintomographie durchgeführt. Außerdem sollten zusätzliche Verletzungen von Nerven (Nervus axillaris) oder Blutgefäßen ausgeschlossen werden.

Therapeutische Möglichkeiten und Prognose

Die Therapie besteht in der Reposition (dem Wiedereinrenken) der ausgekugelten Schulter. Sie sollte so schnell wie möglich erfolgen, um eine längere Überdehnung von Weichteilstrukturen (verminderte Durchblutung!) sowie eine Schädigung von Nerven (Nervus axillaris - er versorgt den Musculus deltoideus) und Blutgefäßen durch Überdehnung oder Abklemmung zu vermeiden. In der Regel ist wegen der starken Schmerzen und zur besseren Entspannung eine kurze Narkose notwendig. Anschließend wird die Schulter in einem speziellen Verband ruhig gestellt, um den überdehnten und eventuell gerissenen Anteilen des Kapsel-Bandapparates Gelegenheit zur narbigen Ausheilung zu geben.

Dabei hängt die Dauer der Ruhigstellung unter anderem vom Alter der Betroffenen ab: Je älter ein/e Patient/in ist, umso kürzer ist die Ruhigstellung, da ansonsten das Schultergelenk zu sehr an Beweglichkeit einbüßt. Es ist allerdings nicht geklärt, ob eine längere Ruhigstellung tatsächlich das Risiko einer erneuten Luxation verringert. Bei jüngeren, sportlich aktiven Menschen sollte eine eventuell verletzte Knorpellippe am Pfannenrand (Labrum glenoidale) im Rahmen einer arthroskopischen Operation wieder fixiert werden, um die Wahrscheinlichkeit für erneute Luxationen und die Entstehung einer Arthrose zu reduzieren. Auch eine Eindellung am Oberarmkopf (Hill-Sachs-Delle) kann eine erneute Ausrenkung begünstigen. Daneben steht noch eine Reihe anderer Operationsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Schulter bei erheblicher Instabilität zu stabilisieren. Eine intensive Physiotherapie und Muskelkräftigung trägt zur Stabilität des Schultergelenks und der Wiedergewinnung der Beweglichkeit bei.

Einfluss auf die Sportfähigkeit und sportliche Belastbarkeit

Nach der Ausheilung der Kapsel- Bandstrukturen bzw. nach einer operativen Versorgung eventueller Begleitverletzungen lässt sich im Allgemeinen wieder eine volle Belastbarkeit der Schulter erreichen. Allerdings sollten Bewegungen, die mit einer Abduktion und Außenrotation des Arms verbunden sind, zunächst vermieden werden. Alle Muskeln, die die Schulter stabilisieren (Rotatorenmanschette, vor allem der Musculus subscapularis), sind zu kräftigen.
Das Risiko einer erneuten Luxation wird von einigen Autoren/innen bei unbehandelten Begleitverletzungen - wie dem Abriss des Labrum glenoidale oder bei einer größeren Delle im Humeruskopf (Hill- Sachs) - mit über 50% eingeschätzt.