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Muskelverletzungen - Kontusion und Ruptur

Während sportlicher Belastungen können unterschiedliche Arten von Muskelverletzungen auftreten, die nach dem entsprechenden Schädigungsmechanismus in Muskelzerrungen und Muskelkontusionen unterteilt werden.

Bei einer Muskelzerrung wirken hohe Zug- und Dehnungskräfte auf den Muskel ein. Sie entstehen häufig bei Sportarten, die einen hohen Anteil von explosiven und exzentrischen Muskelkontraktionen beinhalten, z.B. Sprint- und Sprungdisziplinen in der Leichtathletik. Besonders häufig sind zweigelenkige Muskel davon betroffen. Die Ursache hierfür dürfte in der schwierigen neuromuskulären Kontrolle liegen.

Kontusionen treten als Folge von direkten Krafteinwirkungen in Form von stumpfen Traumen auf. Der Muskel wird dabei gegen den darunter liegenden Knochen gepresst, z.B. bei einem Tritt eines Gegners beim Fußball in die Wade. Es kommt dabei zu einer Quetschung von Muskelfasern und Blutgefäße, wobei als Folge ein Bluterguss entsteht. Muskelprellungen sind typische für Kontaktsportarten, wie z.B. Fußball, Handball, Eishockey.

Zu hohen Krafteinwirkungen, egal ob Zerrung oder Prellung, können zu Muskelrupturen führen.

Die Symptome einer Muskelverletzung, egal ob Prellung oder Zerrung, sind von mehreren Faktoren abhängig, wie z.B. dem Vorliegen eines Hämatoms, der Schwere der mechanischen Schädigung usw. Zur genauen Beschreibung der Muskelverletzung hat sich die in der Tabelle dargestellte Klassifizierung bewährt.

Bei Verletzungen des Grad I, umgangssprachlich die Muskelzerrung, kommt es zur Ruptur weniger Muskelfasern. Es treten leichte Entzündungszeichen und Schwellung auf. Während einer Belastung entstehen ziehende, kampfartige Schmerzen. Die Muskelkraft und die Bewegungsfähigkeit sind eingeschränkt.

Verletzungen des Grad II und III werden als Muskelfaserriss bezeichnet. Dabei unterscheidet sich Grad III von Grad II darin, dass die Faszie teilweise eingerissen ist. Es tritt eine deutliche Muskelschädigung auf, die die Leistungsfähigkeit einschränkt. Die Kraft und Bewegungsfähigkeit des betroffenen Muskels sind deutlich eingeschränkt.

Bei einer schweren Muskelverletzung des Grad IV kommt es zu einer totalen Muskelruptur. Während einer sportlichen Belastung tritt ein plötzlicher Schmerz, meist mit partiellem oder komplettem Ausfall der Funktionen des gerissenen Muskels auf. Dabei können sich die Rupturenden voneinander entfernen, was durch Inspektion und Palpation festgestellt werden kann. Meistens treten Muskelrisse im Muskel-Sehnen-Übergang auf, Risse im Muskelbauch sind eher selten.

  
Fig: Muskelfaserriss des M. quadriceps


Ursache

Rupturen treten durch große Krafteinwirkungen in der Regel auf den kontrahierten Muskel auf.

Dazu gehören z.B.

  • plötzliches Abbremsen,
  • rasche Beschleunigung oder
  • eine Kombination aus Brems- und Beschleunigungsbewegungen wie bei Sprüngen oder Schlägen.

Sofortmaßnahmen

Eine richtige Erstversorgung verkürzt den Heilungsverlauf unter Umständen um mehrere Wochen. Damit die Sofortmaßnahmen in der richtigen Reihenfolge ablaufen, kann man sich als Eselsbrücke das "PECH"-Schema merken:

  • P = Pause (Ruhigstellung)
  • E = Eisauflage (kurzfristig)
  • C = Compression (Druckverband)
  • H = Hochlagerung

Folgetherapie

Je nach Ausmaß der Verletzung kann nach einer Ruhigstellung mit leichter Frühmobilisation und physikalischer Therapie bis zur Schmerzgrenze begonnen werden. Eine frühe Mobilisation ermöglicht eine schnellere Muskelregeneration, da ein besseres Einwachsen von Kapillaren, eine ausgeprägte Bildung von Narben- und Granulationsgewebe und eine bessere parallele Ausrichtung der Muskelfasern erfolgt. Außerdem wird durch die Belastung eine Muskelatrophie verhindert.

Bei großen Muskelrissen muss in einer Operation das betroffene Gebiet genäht werden.

Präventive Maßnahmen

  • gründliches Aufwärmen und Dehnen,
  • gute Technik- und Koordinationsschulung,
  • ausgeglichene Kräftigungsprogramme für den Agonisten und Antagonisten,
  • Nutzung von Schutzkleidung, z.B. Schienbeinschoner beim Fußball.