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Krankhafte Gerinnungsstörungen

Bei den Blutgerinnungsstörungen ist die Gerinnungsneigung des Blutes entweder zu hoch oder zu gering. Die Blutgerinnung kann generell übersteigert sein, aber auch bei normaler Gerinnungsfähigkeit am falschen Ort auftreten, besonders innerhalb von Blutgefäßen, wenn diese verändert sind.
Eine erhöhte Gerinnbarkeit verstärkt die Gefahr einer intravasalen Blutgerinnung. Ein innerhalb eines Blutgefäßes entstehendes Gerinnsel wird als Thrombus bezeichnet. Dieses kann sich ablösen und dann als Embolus innerhalb des Gefäßes weitertransportiert werden, bis es an einer anderen Stelle hängen bleibt. Es kommt zur Embolie. Solche Embolien können sowohl im arteriellen als auch im venösen System auftreten.

Typische Beispiele einer arteriellen Embolie sind die Bildung eines Blutgerinnsels in einem erweiterten linken Herzvorhof bei Vorhofflimmern, das dann über die linke Herzkammer in das Koronarsystem oder in das Gehirn transportiert wird und dort zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.

Im venösen Bereich kann ein Blutgerinnsel z.B. bei längerem Liegen nach einer Operation in den Beinvenen entstehen. Meist beim Aufstehen löst sich dann dieses Gerinnsel und wird über die Beinvenen, die untere Hohlvene und das rechte Herz bis in die Lungenarterie transportiert. Dort kann es je nach Größe einen kleineren oder größeren Ast bzw. sogar die Lungenarterie selbst plötzlich verschließen. Es kommt zur gefürchteten Lungenembolie, einer relativ häufigen Todesursache nach Operationen.

Im Bereich des Sports steigt das Risiko eines Infarktes oder einer Embolie, wenn durch extreme Höhenaufenthalte oder durch Blutmanipulationen die Viskosität des Blutes verändert wird und evtl. durch Einnahme von Erythropoietin auch die Thrombozytenbildung erhöht ist. Unter diesen Bedingungen kann es zu Blutgerinnseln kommen, die sich lösen und in Koronar-, Hirn- oder Lungenarterien Verschlüsse auslösen können.

Vor diesem Hintergrund sollten Sportler/innen die Einschränkungen der Blutgerinnung beachten,da sie zu einer verstärkten Gefährdung bei Verletzungen führen.

Diese können auf einen Thrombozytenmangel oder auch auf das Fehlen einzelner Gerinnungsfaktoren, wie es bei der genetisch bedingten Blutererkrankungen (Hämophilie) der Fall ist, zurückzuführen sein. Hierbei handelt es sich um eine rezessiv geschlechtsgebunden vererbte Erkrankung, bei der der Faktor VIII (Hämophilie A) oder IX (Hämophilie B) fehlt. Diese Faktoren werden auf dem X-Chromosom übertragen. Daher erkranken fast ausschließlich Jungen, die ein erkranktes X-Chromosom von ihrer Mutter übernehmen, das sie durch das Y-Chromosom des Vaters nicht ausgleichen können. Frauen sind im Allgemeinen nur Überträgerinnen, da sie sehr selten zwei kranke X-Chromosomen aufweisen. Die relative Häufigkeit dieser Erkrankung ist in letzter Zeit der Öffentlichkeit traurig bewusst geworden, da beim nötigen Ersatz dieses Faktors auch Blut von HIV-infizierten Spendern bzw. Spenderinnen verwendet wurde, was zu einer Übertragung dieser Erkrankung auf die Bluterkranken geführt hat.


Bei vorgeschädigten Gefäßen besteht ein Thromboserisiko nach hochintensiven Belastungen.

Lebensgefährliche Gerinnungsstörungen können auch nach Blutmanipulationen auftreten.

Bei Bluterkranken muss das erhöhte Verletzungsrisiko im Sport unbedingt beachtet werden.


 

   Projektträger Bundesministerium für Bildung  und Forschung    Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

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