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Herzrhythmusstörungen und Sport

Beim Sportler bzw. Sportlerin treten bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen auf, ohne dass sie einen Krankheitswert haben (5). Dies ist bei der Beurteilung der Sporttauglichkeit von großer Bedeutung, da bei einfachen Herzrhythmusstörungen keine Bedenken gegen körperliche Betätigung bestehen und auch Leistungssport meist ohne Einschränkung möglich ist. Bei vielen ausdauertrainierten Sportler bzw. Sportlerinnen findet man als Trainingsfolge einen erhöhten Vagotonus sowie eine erhöhte Empfindlichkeit des Herzens gegenüber vagalen Reizen. Folge dieser physiologischen Anpassungsreaktionen des autonomen Nervensystems könne bradykarde Herzrhythmusstörungen sein. Hierzu zählt die bei Ausdauertrainierten häufig vorkommende Ruhebradykardie, Frequenzen bis unter 30/min sind dabei möglich.

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Ruhebradykardie

Bei stark ausgeprägter Ruhefrequenz kann auch der AV-Knoten als sekundäres Schrittmacherzentrum einspringen (AV-Knoten-Ersatzrhythmus). Ein erhöhter Vagotonus kann bei Sportlern des Weiteren einen AV-Block 1. Grades oder einen AV-Block 2. Grades Typ Wenckebach verursachen. Unter Belastung nimmt der Vagotonus ab und es kommt typischerweise zu einem Rückgang dieser Störungen und zu einer Normalisierung des EKG.
Bei diesen Formen von Herzrhythmusstörungen treten meist keine Symptome auf, so dass eine weitere Abklärung nicht erforderlich ist. Weiterhin findet sich bei Sporttreibenden gehäuft ein inkompletter Rechtsschenkelblock, die Ursache hierfür ist letztlich noch nicht geklärt. Wie bei nicht körperlich aktiven Menschen finden sich auch bei Sportlern ventrikuläre Extrasystolen, die bei vereinzeltem Auftreten keine krankmachende Bedeutung haben. Von diesen benignen Herzrhythmusstörungen müssen die malignen Störungen abgegrenzt werden.
Hierbei kann körperliche Belastung als Auslöser oder Trigger wirken und lebensbedrohliche Rhythmusstörungen verursachen.
 
In Ruhe oder erst unter Belastung auftretende komplexere Herzrhythmusstörungen (z.B. ventrikuläre Tachykardien, Salven) müssen vor weiterer sportlicher Aktivität abgeklärt (3,6) und möglichst ursächlich behandelt werden.
Ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, muss die Erlaubnis zur sportlichen Aktivität dann von der jeweiligen Störung der Erregungsleitungs- oder Erregungsbildungsstörung abhängig gemacht werden und ein individuelles Belastungsausmaß festgelegt werden.


Dabei ist eine Abwägung der Vor- und Nachteile der körperlichen Betätigung für den einzelnen Patienten entscheidend (5).