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Zerebralsklerose/Schlaganfall

Zerebralsklerotische Veränderungen (Durchblutungsstörungen in den Hirngefäßen) können sogenannte Alterserscheinungen verursachen wie

  • Vergeßlichkeit,
  • Schlafstörungen,
  • Stimmungsschwankungen.

Bei höhergradigen Gefäßeinengungen ist ein klinisches Bild, das der Alzheimer- (Demenz) oder Parkinson (Motorikstörungen)-Erkrankung ähnelt, möglich. Beide sind allerdings nicht auf eine Zerebralsklerose zurückzuführen.
Der Apoplex stellt die schwerste Form der Zerebralsklerose dar. Jährlich erleiden in Deutschland 2,7% der Männer bzw. 2,1% der Frauen einen Schlaganfall. Im Alter unter 45 Jahren sind 0,3%, zwischen dem 45.-65. Lebensjahr 8% und bei über 65 Jahren sind 20% der Bevölkerung davon betroffen. Die Letalität des Hirninfarktes beträgt ca. 10% und ist damit in Deutschland, nach Herzinfarkt und Krebs, die dritthäufigste Todesursache. In Deutschland sterben circa 150 000 Menschen pro Jahr am Schlaganfall.
Für die Entstehung eines Schlaganfalls sind mehrere Risikofaktoren bekannt:

  • Hypertonus
  • Koronare Herzerkrankung
  • Diabetes mellitus
  • Zigarettenrauchen
  • Einnahme von Kontrazeptiva
  • Fettstoffwechselstörungen
  • PAVK
  • Früher aufgetretene Durchblutungsstörungen im Gehirn

Man unterscheidet die folgenden Ausprägungsformen (6):
I Asymptomatische Hirnarterienstenose
II Reversible Durchblutungsstörungen
- TIA -> neurologische Ausfälle
< 24 Stunden
 - PRIND -> neurologischen
Störungen > 24 Stunden, bilden sich
danach aber auch wieder zurück
III Progredienter Insult -
diskontinuierlich fortschreitend
IV Kompletter Infarkt mit dauerhaften neurologischen Schäden

  
Fig: Gefäßruptur


Die Nervenzellen in den entsprechenden Gebieten werden beschädigt oder sterben ab.

Die Diagnose sollte unter Berücksichtigung der Vorgeschichte des Patienten bzw.der Patientin gestellt werden, da die auftretenden Symptome nicht ausschließlich bei Hirninfarkten zu beobachten sind. Der direkte Nachweis eines Hirninfarktes und dessen Lokalisierung erfolgt über ein CT oder ein MRT. Zur weiteren Abklärung der Ursache dienen das EKG, die Ultraschalluntersuchung des Herzens (z.B. Blutgerinsel) und der Hirnarterien (z.B. arterieller Plaque). Darüber hinaus können mit der Dopplersonographie Gefäßverengungen ab ca. 50% erkannt werden. Dieses Verfahren wird in der Früherkennung von Risikopatienten genutzt, um präventiv zu behandeln. Die auftretenden neurologischen Defizite unterscheiden sich je nach Lokalisation des Gefäßverschlusses.

Wird die Pyramidenbahn unterbrochen, ist die gegenseitige Körperhälfte von Ausfällen der Motorik betroffen. Bei einem Rechtshänder liegt die dominante Hirnhälfte links. Ein linksseitiger Apoplex führt also zu einer rechtsseitigen Körperbeeinträchtigung (Hemiparese oder Hemiplegie) und eventuell zu Sprachstörungen, da das Sprachzentrum fast immer in der dominanten Hirnhälfte lokalisiert ist.

Folgende Symptome sind im einzelnen möglich:

  • einseitige Sehstörungen
  • sensible Störungen auf einer Körperseite
  • Hemiplegie/Hemiparese (motorische Störungen verbunden Lähmungserscheinungen einzelner Muskeln bzw. Muskelgruppen)
  • Sprach- oder Bewußtseinsstörungen
  • Schwindel und Verwirrtheit
  • plötzliche Stürze (Bewußtseinsverlust)
  • depressive Grundstimmung

Liegen Koordinationsstörungen vor, sind vor allem das Kleinhirn, die Hirnstränge, die Stammganglien oder das Vestibularorgan betroffen.
Die Hemiparese ist eine der häufigsten Funktionseinschränkungen nach einem Schlaganfall und ist meist durch eine spastische Oberkörperhaltung, einen asymmetrischen Stand und ein asymmetrisches Gangbild gekennzeichnet. Zu den motorischen Beeinträchtigungen kommen oft auch neuropsychologische Störungen hinzu (3) (siehe Tabelle).

Neuropsychologische Syndrome (3)

Häufig tritt bei Schlaganfallpatienten ein sogenannter motorischer Neclect auf. Die Extremitäten werden dabei nur nach Aufforderung, aber nie von selbst bewegt. Der neurologische Zustand erscheint dadurch schlechter als er tatsächlich ist.

  
Fig: Arteriosklerotische Gefäßveränderung


Sport- und Bewegungstherapie

In der Regel werden die Patienten zunächst stationär krankengymnastisch bzw. ergotherapeutisch behandelt, bis wieder eine weitgehende Selbständigkeit erreicht ist. Im Abschluß ist ein ambulantes Bewegungstraining in der Gruppe möglich. Im Vordergrund steht dabei ein koordinatives Training mit folgenden physisch-motorischen Zielen (5):

  • Wiederherstellung gestörter Funktionen (Neuromuskuläre Bahnung)
  • Kompensation der bleibenden Schäden (Motorische Selbständigkeit)
  • Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit

Trainingsinhalte bei der Bewegungstherapie sind vor allem:
1. Mobilisierende Aufwärmübungen
2. Gang- und Haltungsschulung
3. Koordinationstraining (insbesondere Gleichgewichts-, Reaktions-, Wahrnehmungs- und Orientierungsfähigkeit)
4. Kräftigung, Mobilisation (Behebung der Seitendifferenz)
5. Körpersensibilisierung und Entspannungstraining
6. Spiel/Spielform

Aber auch psychosoziale Zielsetzungen sind bei der Sporttherapie mit Schlaganfallpatienten von großer Bedeutung wie z.B.:

  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Angstreduktion
  • Annahme der eigenen Erkrankung
  • Austausch mit anderen Patienten
  • Vermeidung sozialer Isolation