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Entzündliche Herzerkrankungen und Sport


Zur Beurteilung der sportlichen Belastbarkeit bei und nach Infekten sollte stets ein sportmedizinisch erfahrener Arzt bzw. Ärztin konsultiert werden.


Intensive Körperarbeit während fieberhafter nicht-myokarditischer Infekte ist im Tierexperiment mit einem höheren gesundheitlichen Risiko verbunden (2). Auch bei Sportlern lässt sich aus den angeführten tierexperimentellen Befunden sowie dem relativ hohen Anteil von Myokarditiden bei plötzlich verstorbenen Athleten bzw. Athletinnen eine vermehrte Gefährdung durch eine körperliche Aktivität während eines fiebrigen Infekts sowie in der Frühphase einer entzündlichen kardialen Mitbeteiligung ableiten. Hingegen weisen Untersuchungen auf einen teilweise kardioprotektiven Effekt eines besseren Trainingszustands hin, so dass ein vor der Infektion durchgeführtes körperliches Training bei Ratten weniger Schädigungen zur Folge hatte (1).
Bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung sollten vor Wiederaufnahme des Trainings folgende apparative Untersuchungen durchgeführt werden: Ruhe- und Belastungs-EKG, Langzeit-EKG (EKG-Aufzeichnung über 24 Stunden unter Einschluß sportartspezifischer Belastungen) und Echokardiographie..

Die Abbildung zeigt beispielhaft bei einem Profisportler die linke Herzkammer am Ende der Kontraktionsphase in Ruhe und während Belastung.

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Nachdem sich der Sportler wegen eines Leistungsabfalls mit leichter Luftnot nach mehreren durchgemachten Infekten vorgestellt hatte, fiel im Herzultraschall eine vergrößerte linke Herzkammer auf. Unter Belastung bis 200 Watt kam es nicht wie üblich zu einer Zunahme der Herzkontraktionen mit Verkleinerung der linken Herzkammer, sondern sogar zu einer leichten Vergrößerung. Dieser Befund weist darauf hin, daß die festgestellte Herzvergrößerung nicht Ausdruck eines Sportherzens sein kann, sondern eine krankhafte Herzvergrößerung darstellt. Die weiterführende Herzkatheterdiagnostik einschließlich feingeweblicher Untersuchung ergab einen Folgezustand nach Herzmuskelentzündung, der Leistungssport mußte aufgegeben werden (13).

Für konkrete Handlungsvorgaben in der Praxis bei Verdacht auf eine akute oder durchgemachte Myokarditis fehlen kontrollierte Studien. Nach Expertenmeinung können folgende Empfehlungen gegeben werden (4):
1. Bei Anzeichen eines Infekts mit erhöhter Körpertemperatur (> 0,5 bis 1° C), erhöhter Herzfrequenz (> 10 /min in Ruhe oder bei gleicher absoluter Belastungsintensität), Myalgien oder akut vergrößerten Lymphknoten sollte auch bei fehlender kardialer Symptomatik ein befristetes Sportverbot gelten. Generell gilt die Empfehlung, nach fieberhaften Infekten unklarer Ursache eine zumindest mehrtägige Trainingspause einzulegen.

2. Bei Verdacht auf eine myokardiale Mitbeteiligung bei oder nach Infekt sind zumindest ein Ruhe- und Belastungs-EKG (mit voller Ausbelastung), eine Doppler-Echokardiographie sowie die Bestimmung von Entzündungsmarkern im Blut erforderlich. Im Einzelfall sind weitere Untersuchungen wie Langzeit-EKG unter Einschluss von sportartspezifischen Belastungen, kardialer Gewebedoppler (bzw. Radionuklidventrikulographie), dynamische Stressechokardiographie sowie Cardio-MRT und Endomyokardbiopsie notwendig.

3. Bei einer akuten Myokarditis gilt ein Sportverbot für mindestens ca. 3 Monate bzw. ein Wettkampfverbot für ca. 6 Monate.

4. Bei einer chronischen Myokarditis besteht ebenfalls Wettkampfverbot, im Training erlaubt sind lediglich Sportarten mit niedriger statischer und dynamischer Beanspruchung sowie in Abhängigkeit vom klinischen Befund (Fehlen höhergradiger Rhythmusstörungen im Belastungs-EKG auf niedrigen Belastungsstufen und im Langzeit-EKG während des Trainings) niedrig-intensive Ausdauersportarten wie Radfahren (bzw. Ergometer), lockeres Laufen oder Walking bzw. schnelles Gehen sowie leichte Kraftausdauerübungen im Rahmen eines gesundheitssportlichen Trainings. Im Stadium einer dilatativen Kardiomyopathie gelten die im Kapitel Chronische Herzinsuffizienz aufgeführten Empfehlungen.

5. Nach durchgemachter Myokarditis ist eine Kontrollbiopsie wünschenswert. Bei folgenloser Ausheilung ist von einer vollen Sporttauglichkeit auszugehen. Falls keine Kontrollbiopsie vorliegt, sind folgende Voraussetzungen für eine uneingeschränkte Sporttauglichkeit zu fordern: Unauffällige Anamnese, keine relevanten Rhythmusstörungen (Ergometrie bis zur Erschöpfung und Langzeit-EKG während sportartspezifischer Beanspruchung), normale linksventrikuläre Funktion ohne regionale Wandbewegungsstörungen in Ruhe und unter Belastung (Belastungsechokardiographie bzw. Radionuklidventrikulographie, evtl. kardialer Gewebedoppler), negatives Cardio-MRT.

6. Bei einer Endokarditis oder Perikarditis besteht im akuten Stadium Sportverbot. Sporttauglichkeit ist gegeben, wenn Belastungs- und Langzeit-EKG sowie Echokardiographie unauffällig sind. Bei Patienten mit Pericarditis constrictiva gelten die gleichen Empfehlungen wie bei chronischer Herzinsuffizienz.