Diagnose und Ursachen

Entzündliche Herzerkrankungen können das Myokard (Myokarditis, heute auch als inflammatorische Kardiomyopathie bezeichnet), aber auch die Herzinnenhaut (Endokarditis) und/oder den Herzbeutel (Perikarditis) betreffen (vergleiche Abbildung). Die infektiöse Endokarditis ist bei Sportlern bzw. Sportlerinnen selten und aufgrund ihrer zumeist ausgeprägten Allgemeinsymptomatik mit

in der Regel leichter zu diagnostizieren. Echokardiographisch können Vegetationen, Abszesse oder neu aufgetretene Klappeninsuffizienzen nachgewiesen werden.

Eine Perikarditis kann sowohl als eigenständiges Krankheitsbild als auch als Begleiterkrankung einer Myokarditis auftreten. Auch hierbei besteht in der Regel eine ausgeprägtere Symptomatik mit thorakalen Beschwerden, reduziertem Allgemeinzustand, Fieber und eventuellem Perikardreiben bei der Auskultation. Die Diagnose ist relativ sicher mittels EKG und insbesondere Echokardiographie möglich.

Die Myokarditis hat eine relativ hohe Komplikationsrate: akut kann sie sich durch einen plötzlichen Herztod, ausgelöst durch Kammerflimmern manifestieren, chronisch kann sich eine dilatativen Kardiomyopathie entwickeln. Die Erreger sind meist Viren (insbesondere jene der Coxsackie B-Gruppe), aber auch Bakterien und andere Keime (13). Außer in akuten Fällen ist die Diagnose meist schwierig.


Im Rahmen eines viralen Infektgeschehens besteht wahrscheinlich relativ häufig eine myokardiale Beteiligung.


Während Epidemien viraler Infekte des Respirations- oder Gastrointestinaltrakts wird eine ca. 5 bis 10 %ige kardiale Mitbeteiligung berichtet. Besonders im Rahmen von sog. grippalen Infekten oder einer Angina kann es zu einer entzündlichen Mitbeteiligung des Herzens kommen.


Wird in diesem Stadium Sport betrieben oder werden sogar Wettkämpfe bestritten, kann es zum plötzlichen Herztod kommen.


Allerdings heilen diese entzündlichen Mitbeteiligungen des Herzens in der überwiegenden Mehrheit der Fälle folgenlos aus. In einzelnen Fällen können Herzrhythmusstörungen (6) oder chronische Verlaufsformen mit Herzerweiterung (dilatative Kardiomyopathie) resultieren (siehe Abbildung).

Ungewohnte Luftnot, unregelmäßiger Herzschlag bzw. Herzstolpern, ungewöhnlich hohe Herzfrequenzen und Schmerzsensationen im Brustbereich können auf eine Herzmuskelentzündung hinweisen. Beim Abhören des Herzens durch den Arzt bzw. Ärztin können bisher nicht vorhandene Töne oder Geräusche wahrgenommen werden.

Diagnostisch spezifische Parameter des Routinelabors existieren nicht. Laborchemisch können im akuten Stadium sowie erhöhte CK- und Troponinwerte nachweisbar sein, allerdings nicht zwangsläufig. Laborchemisch ist ein Nachweis von Erregern bzw. gegen sie gerichtete Antikörper im Blut nicht beweisend für eine Herzmitbeteiligung (3).

Die endgültige Diagnose einer Myokarditis kann nur durch eine Entnahme von Muskelgewebe mittels Herzkatheter gestellt werden (Herzmuskelbiopsie) (7,9).

Hier kann in akute und chronische Myokarditis mit bzw. ohne Viruspersistenz unterschieden werden.

Die linke Herzkammer ist durch die Entzündung erweitert und in ihrer Pumpfunktion eingeschränkt. Als Folge einer gleichzeitigen Entzündung des Herzbeutels kann ein Herzbeutelerguß bestehen.

Obwohl es kein typisches EKG oder Ultraschallbild für eine Myokarditis gibt, können sich aus diesen Untersuchungen wichtige Hinweise wie alle Arten von Rhythmusstörungen oder Blockierungen der Reizleitung (8), entzündliche Auflagerungen an den Herzstrukturen oder Einschränkungen der Herzwandbeweglichkeit ergeben (10,14).

Eine Erweiterung der linken Herzkammer mit Verdünnung der Herzwände kann Folge einer früheren Herzmuskelentzündung sein (5). Damit kann eine sog. dilatative Kardiomyopathie vorgetäuscht werden, die als eigenständige Erkrankung auch in einzelnen Fällen beim Sportler bzw. Sportlerin ausgeschlossen werden muß.


Die Abgrenzung zum vergrößerten Sportherz mit ebenfalls erweiterter linker Herzkammer kann Schwierigkeiten bereiten.