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Arterielle Hypotonie

Die arterielle Hypotonie wird als Blutdruck unter 100/60 mmHg bei Frauen bzw. unter 110/60 mmHg bei Männern definiert.

Bei Sporttreibenden findet sich oft eine in Richtung Hypotonie weisende Blutdrucksituation in Ruhe, die als parasympathisch bedingte Schonstellung zu interpretieren ist.


Falls der erniedrigte Blutdruck keine Minderdurchblutung der Hirngefäße mit Symptomen wie Schwindel, Müdigkeit oder Kopfschmerzen, Sehstörungen bis Ohnmachtsanfall zur Folge hat, ist er nicht als krankhaft, sondern eher positiv zu bewerten, da das Gefäßsystem weniger belastet wird.


Die Hypotonie wird in zwei Gruppen eingeteilt:

1. Primäre (=essentielle) und sekundäre Hypotonie

2. Orthostatische Hypotonie (orth. Dysregulation bzw. orth. Syndrom)

Die primäre bzw. essentielle Hypotonie tritt am häufigsten auf; für sie gibt es keine genaue Ursache. Betroffen sind meist junge Frauen; Stress und körperliche Untätigkeit begünstigen die Entstehung.
Die sekundäre Hypotonie kann verschiedene Ursachen haben, z.B.

  • kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Hypovolämie
  • Medikamente
  • Hypothyreose
  • Infektionen
  • Bettlägerigkeit.

Häufig führt niedriger Blutdruck zu einer so genannten orthostatischen Dysregulation. Die oben angeführten Ursachen können dafür verantwortlich sein, aber auch inadäquate Regulationsmechanismen des autonomen Nervensystems mit fehlender Sympathikusreaktion oder diabetisch bedingter Neuropathie.


Durch einen abrupten Lagewechsel beispielsweise aus der liegenden in die stehende Position kann der Blutdruck systolisch um mehr als 20 mmHg, diastolisch um mehr als 10 mmHg abfallen.


Ursache ist das Versacken des venösen Blutes in dem Gefäßsystem der Beine. Ein Kreislaufkollaps aufgrund der Unterversorgung des Gehirns kann die Folge sein. Dieses orthostatische Syndrom findet sich meist bei (untergewichtigen) Jugendlichen mit noch instabilem Kreislauf, aber auch bei ca. 25 % der über 65-Jährigen.

Als diagnostisches Mittel zur Differenzierung der Hypotonie dient der sog. Schellong-Test. Mehr als 60 % der Patienten bzw. Patientinnen zeigen nach 10-minütigem Liegen im Stehen einen Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 20 mmHg und einen gleichzeitigen Herzfrequenzanstieg um mehr als 16 Schläge/min (sympathikotone orthostatische Hypotonie).

Sinken systolischer und diastolischer Blutdruck um 20 bzw. 10 mmHg ohne relevante Änderung der Herzfrequenz ab, spricht man von einer asympathikotonen orthostatischen Hypotonie.

Treten hypotone Kreislaufbbeschwerden auf, sind u. a. folgende Maßnahmen möglich:

  • Anpassung der Medikation
  • Kneipp'sche Anwendungen (erhöhter Muskeltonus durch Kältereiz)
  • Kompressionsstrümpfe (verhindern das Versacken des Blutes in den Beingefäßen)
  • Langsame Lagewechsel (kein schnelles Aufstehen)
  • Kreislaufanregende körperliche Aktivitäten

Sport- und Bewegungstherapie

Schon leichte körperliche Aktivität, wie z.B. das Bewegen der Beinmuskulatur (Muskelpumpe) lässt den Blutdruck ansteigen. Besonders geeignet sind ausdauerorientierte Belastungsformen mit Intervallcharakter (Spielsportarten, Lauftraining mit wechselnder Intensität -> Fahrtspiel), Trainingsformen im Wasser (Schwimmen, Aquajogging u.ä.) und Krafttraining.

Kneipp'sche Anwendung

Kneipp'sche Anwendung


Hohe Intensitäten sollten allerdings vermieden werden, um die nach intensiver Kreislaufbeanspruchung eintretende hypotone Gegenregulation zu minimieren.