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Belastung und Beanspruchung des Stütz- und Bewegungsapparates beim Badminton

Badminton - alles andere als "federleicht"

Das einzigartige Flugverhalten des Federballes und der sehr leichte Schläger prägen wesentlich das Anforderungsprofil im Badminton. Beides zusammen ermöglicht ein großes Repertoir an Schlagvarianten, die das Badmintonspiel abwechslungsreich und temporeich gestalten. Kennzeichnend dafür sind:

  • ständige Stop-and-go-Bewegungen
  • extrem schnellkräftige Schlag- und Sprungbewegungen
  • badmintontypische Schlagtechnik
  • badmintontypische Lauf- und Sprungtechniken (Nachstellschritt, Umsprung, Chinasprung, Schläge links vom Kopf)
  • zahlreiche dynamische Rotationen im Bereich von Schultergürtel, Wirbelsäule, Knie und oberen Sprunggelenk
  • feinstkoordinierte Bewegungen im Wechsel mit kraftvollen Aktionen
  • hohen Wiederholungszahl der Bewegungen pro Zeiteinheit

Belastungsstruktur im Badminton im Vergleich zum Tennis (64)

Aktion

Verhältnis

Schlaganzahl min-1

5 : 1

effektive Spielzeit

4 / 5 : 1

Gesamtlaufstrecke

3 : 1

Das komplexe Anforderungsprofil im Badminton erfordert in Bezug auf den Stütz- und Bewegungsapparat:

  • Schnellkraftkraftfähigkeit und funktionelle Flexibilität der unteren Extremität
  • Beweglichkeit des Schultergürtels
  • Gut trainierte scapulafixierende und schultergelenksstabilisierende Muskulatur sowie Unterammuskulatur (M. flexor carpi ulnaris, M. extensor carpi radialis) der Schlagarmseite (73)
  • Gute Schlag-, Lande- und Lauftechnik
  • Funktionelles Rumpfmuskelkorsett, insbesondere der lumbalen Muskulatur
  •  
  • Gute Propriozeptionsfähigkeit , vor allem des Schulter-, Knie- und Sprunggelenkes

Verletzungen beim Badminton

Trotz des anspruchvollen und komplexen Anforderungsprofil zeichnet sich Badminton durch ein relativ geringes Verletzungsrisiko aus. Je nach Studie machen Badmintonverletzungen1 bis 5 % aller Sportverletzungen aus (81, 53, 26, 37). Nach Jörgensen et al. (1990) liegt die Verletzungsinzidenz mit 2.9 Verletzungen pro 1000 Spielstunden zwischen der vom Tennis (2.8) und Volleyball (3.1) (39).

Aus den Ergebnissen verschiedener Studien lassen sich folgende Kernaussagen zu Verletzungen im Badminton festhalten:

  • In bezug auf die effektive Spielzeit sind Männer öfter verletzt als Frauen .
  • mehr Verletzungen im Training als im Spiel (3 zu 2 Verletzungen pro 1000 Spielstunden) (39)
  • Freizeitspieler sind öfter betroffen als Leistungsspieler und haben anderes Verletzungsspektrum .
  • Je nach Studiendesign dominieren leichte bis moderate Verletzungen (37, 53, 26) .
  • Je nach Studie sind in 58 bis 92 % die untere Extremität betroffen, gefolgt von Verletzungen der oberen Extremität und des Rumpfes (64, 26).
  • 58 % Kapsel-Bandverletzungen, 20 % Muskelverletzungen, 9 % Sehnenverletzungen (53)
  • Bei den Gelenkverletzungen ist zu 35 % das Knie betroffen, gefolgt vom oberen Sprunggelenk (29 %) und der Schulter (4 %) (81).
  • Die Achillessehnenruptur stellt mit 35 % aller Verletzungen eine badmintontypische Verletzung dar; 12 % aller sportbedingten Achillessehnenrupturen treten im Badminton auf (80, 27).
  • Die Achillodynie ist die häufigste Überlastungserscheinung. 32 bis 44 % aller Spieler haben Achillessehnen beschwerden (27).
  •  
  • badmintontypische Verteilung von Überlastungsbeschwerden
  • alterspezifisches Verletzungsspektrum

Altersbezogene Verletzungstypen (27, 53, 54)

Spieler < 30 J.

Spieler > 30 J.

Muskelverletzungen

+

Gelenkverletzungen

+

Bandverletzungen

+

Achillessehnen-verletzungen

+

Badmintonspezifische Risiken und Verletzungsursachen

Im Badminton gelten in erster Linie die sportartspezifischen Lauf- und Sprungbewegungen sowie die oftmalige Durchführung badmintonspezifischer Schlagtechniken als verletzungsträchtig (64).

  • Hohe Brems- und Beschleunigungskräfte bei rasch wechselnden Fußbelastungen führen oftmals zu Achillodynie, patellofemoralen Schmerzsyndromen und Patellaspitzensyndromen (27, 64) .
  • Repitetive Dehnungsverletzungen der Achillessehne sind prädisponierend für Sehnenrupturen (80).
  • Falsche Landetechniken sowie mangelhafte muskuläre Gelenksicherung beim Umsprung und Chinasprung führen zu Verletzungen der unteren Extremität (64) .
  • Beim Nachstellschritt wird Beinstreckmuskulatur der Schlagarmseite extrem belastet (64).
  • Badmintonspezifische Schlagtechniken führen bei falscher Technik und / oder unfunktioneller muskulärer Führung zu Überlastungsbeschwerden der oberen Extremität insbesondere der Rotatorenmanschette und Unterarmmuskulatur (67) .
  • Kombination von Lateralflexion und Rotation bei badmintontypischen Schlägen beinhaltet hohe Belastung für die Wirbelsäule (Blockierungen und Lumbalgien ) (38).